(Not) Just Tonight

Als ich gestern morgen um halb Zehn in die gleißende Morgensonne trete, bin ich verschwitzt, müde und glitzernd glücklich eingefärbt.

photo credit: katieblench via photopin cc

photo credit: katieblench via photopin cc

Ich hatte die ganze Nacht getanzt, geredet, gelacht.

Beim Brüllenneuinterpretierenpantomimischdarstellensingen einschlägig bekannter Hymnen polnischen Haselnusswodka konsumiert.

Ich neige zum Allesummichvergessen, wenn ich einmal die Tanzfläche betreten habe. Ein wunderbarer Zustand. Nur begrenzt durch an-und abschwellende Achtsamkeit möglichst k1 durch meinen ausufernden Tanzstil ins k.o. zu entsenden.

Ein leichtes Ziehen im rechten Unterschenkel und der kleine Tinnitus in den Ohren (den richtigen Abstand zur nächsten Box immer gut abschätzen, Freund_Innen der Nacht! ) werden die nächsten Tage mein roter Faden zurück in die Erinnerung.

Seit einigen Wochen vergrößert sich mein Raum zum Leben. Breitmachen kann ich mich. Wieder. Eingepfercht in den Panzer ökonomischen Zwangs habe ich seit Mitte letzten Jahres so kämpfen müssen wie lange nicht mehr. Nichts aber auch gar nichts Heldinnenmäßiges darin. Ich habe sie wirklich satt, diese Armut-Romantiker_Innen. “ Ist ja irgendwie auch toll, wie genügsam es doch geht“, “ Wie du das alles schaaaffst“. Klappe halten ! Bitte ! ICH HABE KEINE WAHL, alles klar ?!? Armut macht kaputtkleineinsam. Selbst wenn du um Zusammenhänge weißt- nicht das viel Zeit wäre darüber lange nachzudenken- es schützt nicht vor dem Gefühl total versagt zu haben.

Auch wenn ich aufgehört habe, mich zu schämen…ich habe lange gebraucht um meinen Optimismus und meine Wut freizuschaufeln. Begraben unter soviel Druckdruckdruck. Das (fehlendes) Geld nach wie vor Tabuzone ist, habe ich selbst bei mir nahen Menschen entdecken müssen. Betretenes Mehltauschweigen dann, das alles belegt.Von den eigenen Neidgefühlen noch gar nicht angefangen, die Löcher in die Herzgegend fressen, wann immer Leute sorglos über ihre letzten Fressparties in teuren veganen Restaurants redeten oder das neueste Tattoo und trotzdem Endlosschleifenjammern, was sie alles nicht konsumieren können.

Ich bin froh bis zum Mond und zurück, dass ich nicht allein bin. Gleichzeitig zu allem Überlebenmüssen mutmachende Solidarität.

Offline. All die Liebgehabten um mich herum.

Online. Da können auch loboische Wiederkäuerdudes und pseudofeministische Bloggerinnen nichts dran ändern, die behaupten das Internet, z.B. bei Twitter wären „kaputt“ oder „sektuös“.

Immer.

Jetzt stehe ich also hier und fühle mich frischgeschlüpft. Phönixlike.

photo credit: Karen Roe via photopin cc

photo credit: Karen Roe via photopin cc

Vorsichtig taste ich mich aus der Schale, wische mir Eihaut aus dem Gesicht und freue mich über wärmende Begegnungen. Zeitrasereien wehen über intensives Reden hinweg. Eine schöne Frau*mit blauem Teddyshirt. Die Unbekannte, die meine Hand nimmt und mit mir tanzt. Eng. Losgaloppierendes Sehnsuchtsplärren.

Blicke nach Frühling. Schnell wachsende Hoffnungspflänzchen. Alles mit Lebensfreude gießen.

Nicht nur heute Nacht.

Advertisements