The Sea (An Ode To The Thing That Separates Us)

An einem Ort gestrandet, wo sonst kein Mensch ist. Seltsam, wie gut das ist.

Auf diese eine Blaupause starren und nichts wiederfinden. Koordinaten verrutscht, eingezeichnete Linien begangener Wege verwischt, Verbindungen gekappt.

Ich habe mich verlaufen.

Das Neue schon sichtbar und das Alte noch lange Schatten werfend. In denen ich mich vorm allzu grellen Licht schütze. Mich verstecke. Vor Ansprüchen Anderer. Vor Forderungen, die  ich weder erfüllen kann noch will.

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Über allem weht Schmerz. Körper, Gedanken, Gefühle. Alles ohne Namen. Alles tut weh.

Was ist dieses “ Ich “ ? Identifizierung nicht möglich, Identifikation nötig.

Ich folge dem Schmerz in Erinnerungen, taste mich an uralten Narben entlang zum Sinn des Ganzen.

“ Gehe da nicht allein rein, es ist zu früh zu spät zu verworren…du wirst die Orientierung verlieren.“ ruft er mir warnend zu. “ Das ist längst passiert, aber wenn ich einmal  hier bin…“ lache ich. Weine ich. Oft Beides im dysfunktionalen Takt.

Ich bin hier und da nicht zum ersten Mal.

Ich verstehe es nicht, aber ich fühle mich irgendwann wieder gut…solange ich allein bin. Oder mit dem Kind. Alle anderen sozialen Kontakte, egal auf welche Art: vor allem schwierig. Zähle alles mit, jede noch so winzige Irritation, jede kleine Schieflage zwischen mir und den Anderen. Sammle Kränkungen an und füttere damit unwillentlich meine Unsicherheit.

Als gäbe es nichts Anderes. Was nicht stimmt. Nur die Unsicherheit: sososo gefräßig und alles verschlingend…ich bekomme Angst vorm Rausgehen. Ich bekomme Angst davor, Leute zu treffen. Vor allem die, die ich mag.

ANGST.

So große, dass ich zum ersten Mal seit ewig darüber nachdenke, Hilfe von Fremden anzunehmen. Sogenannte professionelle, obwohl ich das als nicht zutreffend empfinde. Der einzige Profi in Sachen ich bin ich. Wenn ich nur wüsste, wer oder was das ist.

Überhaupt: Hilfe annehmen. Oarrr. Das fällt mir so schwer. Vielleicht auch, weil ich so verdammt oft dieses Jahr KEINE Wahl hatte…wie auch schon das Jahr davor. Vielleicht auch, weil ich mir letzlich immer aus allem selbst herausgeholfen habe. Vielleicht auch, weil ich es gewohnt bin, in Krisenzeiten immernoch überragend zu funktionieren…um die Abwesenheit von Krisen dann als eigentümlich zu empfinden.

Sich stellen oder weglaufen. Nicht genug Zeit haben, sich das zu fragen. Weil ich mich noch um mehr als nur mich selbst kümmern muss.

Nur dass sich das mit dem Kind nicht nach Müssen anfühlt. Woran liegt es nur, dass an dieser Stelle immer alles gut ist. Auch wenn es kracht und scheppert. In mir und um uns herum.

Weich und warm. Flauschhöhliges Geborgen.

Es ist schön hier und alles ist klar. Ich liebe. Oh, dieses Kind. Die Art, wie es in die Welt sieht, in sie hineingeht und mit zu uns nach Hause bringt. Sich und mir erklärt. Mit dem Kind gibt es kaum Platz für Furcht. Ich bin DA, ich bin schon groß und das Kind nicht mehr so klein, glucksend hole ich Zuneigung aus allen Ritzen hervor und gebe sie dem Kind. Während ich mich trotzdem wundere, dass sie offenbar niemals versiegt. Wie wir zusammen Sinn machen und wenn es nur ist, “ damit die Wohnung nicht alleine ist, Mama.“ In der Welt des Kindes ist der Bus zum Kinderladen zu spät, weil er schließlich auch mal schlafen muss. Der Bauch hatte eben noch Hunger auf Schokolade, da kann ICH nichts machen, isso . Nein, ich hab’jetzt keine Zeit…das neue Lieblingskuscheltier, eine rosa Schweineflauschigkeit, weint und blutet ein bisschen, siehst du das nicht…ich muss es trösten, warte mal, ohhkeyyyy ? Zum Dritten Geburtstag wird GANZ Kreuzberg eingeladen, das schließt auch den einen Rauschebaum mit ein und die großen Krähenvogel, die sich immer auf die Autos setzen ( Wohnen die da, Mama ?). Der unsympathische Kinderarzt wird mit einem “ Hej, du musst fragen, das ist MEIN Fuß“ auf unbedenkliche Größe gestutzt und überhaupt…wie es dafür seinen, aber auch meinen Freund*innen über alle Wege traut. Ich kann nur staunen und lernen. Kaum glauben, dass das auch was mit mir zu tun haben muss.

Ja, so ging das wohl.

Manchmal schaffe ich es jetzt wieder mein Selbst-Bewusstsein mitzunehmen. Über die Türschwelle und raus in das da Draußen. Lange Zeit endete unser gemeinsamer Weg dort.

Offenbar habe ich jetzt eine Panzerhaut und als ich sie näher betrachte, sehe ich, dass ich sie gemacht habe. Wenn ich mich nur erinnern könnte.

Immerhin: sie schützt mich. Nach dem langen Rückzug fange ich wieder an, mich zu ver_wehren.

Meine alte Freundin Abgrenzung. Vielleicht noch mehr da, wo Menschen, Situationen, Zustände mir nicht guttun. Manchmal einfach gehen und nicht umgucken. Sich selbst an erste Stelle setzen, auch wenn es sich komisch ungewohnt anfühlt.

Wie ich bisweilen Menschen bewundere, die gezielt durch ihre Leben (zu) spazieren (scheinen). Mein innerer Kompass ist außer Funktion und das kümmert mich nur immer im Verhältnis zu Anderen. Da dann gewaltig. Weil es für alles ein Haltbarkeitsdatum zu geben scheint, auch für die Suche nach deinem Platz in der Welt.

Ich hatte jedenfalls das ganze Jahr solchen Hunger nach Meer. Dabei hatte ich es die ganze Zeit in mir.