Take On Me

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1, 2, 3

Gedanken von Gefühlen schälen und über alles Wortverpackungen kleben fällt mir schwer dieser Tage. Schreiben wie an Steinbrocken lutschen…sperrig und unergiebig.

Ich war nun eine lange Zeit überall nur nicht bei mir. Keine Zeit für mich, meine Baustellen inklusive. Bis der Bauschutt von dort einfach alles bedeckte, ignorieren und weitermachen nicht mehr möglich.

Dabei war ich oft schon im gängigen Funktioniermodus überfordert. Ständige Fehlermeldungen flogen mir links und rechts um die Ohren. Das Kind ausgenommen habe ich gerechterweise alles Andere gleichermaßen schleifen lassen und die Ergebnisse davon schliffen mich dann runter bis auf die Knochen. Vor allem meine finanziellen Sorgen eine ätzend-säurige Substanz die mich bis auf meinen kleinsten Nenner zersetzten. Im Kopf mit lauter Ausrufezeichen versehene Pläne das Ruder rumzureißen, mir wieder mal selbst auf die Beine zu helfen. Kaum möglich letzlich, gefühlt eher von einem überquellenden Problemloch zum nächsten rennen.

Mich mittendrin dann plötzlich verlieben. Großangelegte Klopfzeichen in der Herzgegend. Beats, die mich irritieren wie freuen.

Später auch schiefkreischende Angst auslösen.

Trotzdem/Gerade wegen all dem blüht das Leben sich durch die kleinen Risse im Überlebenskampf. Das wunderbare Kind, meine großartigen Freund*innen, ich in schwarzen Pseudochucks, wie ich das alles wuppe. Sonne im Gesicht, kalte Club Cola Mate in der Hand, Glitzer in den Haaren.

Themen, die ich längst abgeschlossen und eingemottet glaubte zerren zusätzlich an meinen Nerven und kurzzeitig hatte ich ihnen wirklich nichts mehr entgegenzusetzen, es scheppert gewaltig in meinen Ohren als ich auf hinter mir gelassen geglaubten Boden knallhart aufpralle…nur ist das nichts Neues, diesmal jedoch anders.

Ich bin vielleicht überrascht, weil es nochmal so kracht, alles, ich meine A-L-L-E-S so durcheinanderwirbelt, was ich bisher für befriedeterledigt hielt, wo ich mich angekommen dachte.

Ich merke aber…hinter all der Anstrengung, all den furchtbaren Nächten in denen ich meine Gedanken bewache und mir Pragmatismus überstülpe wie eine Tarnkappe…dahinter merke ich, das muss jetzt so und es wird besser.

Es ist schon besser.

Winzig fühlte ich mich dort, völlig unsicher woher der Wind weht. Kleines Kind auch innendrin, wünsche ich mir zusammengeschrumpft auf das Wesentliche, das zum Leben tatsächliche Notwendige nichts sehnlicher als das mich auch mal 1 an die Hand oder auf den Arm nimmt und mir sagt:

Alles wird gut, du kannst auf mich zählen.

Es hilft so sehr, dass da Leute sind, die mich liebhaben.

Doch das hier…das muss ich selbst machen. Vom Kleinsten auf und nochmal von vorn. Sonst schmettert es mich wieder völlig in den Hintergrund während ich bewundernd und staunend auf gemochte Menschen blicke. Ich mag mich auch gern, aber wenn es mich wieder wegfegt ob des Tollseins Anderer besteht eine große Gefahr mich und meine ureigenen Angelegenheiten aufs Nebengleis zu verabschieden.

Immernoch.

Also nochmal zurück, aufräumen, durchfegen und dann endlichendlichendlich auf zu all dem, was da noch drängelnd vor der Tür rumlauert.  Mit Anstrengung daherkommt, bizarr glitzert, wütend leuchtet, seltsam lieblich duftet, neue Lieder bringt.

Ich bin gespannt. Von hier bis jetzt.

Wär’schön, wenn ihr dann auch noch da seid <3.

Menschen, Mythen, MUTTIationen

Ein Abgesang
Intro
Ich war auch vorher nicht frei. Zumindest hatten die strukturell geschmiedeten Ketten aber eine hübsch ordentliche Länge und so konnte ich mir manchmal wirksam einreden, dass sie gar nicht da wären.
Freiheit. Was auch immer das bedeutet für dich.

Für mich meint es auch das Privileg der Wahl zu haben.

Werden und Sein, was ich bin um leben zu können, wie ich will. Zusammen mit denen, die mir wichtig sind.

Ohne Ab_Bewertung, Kommentierung, Unterdrückung. Gar Schlimmeren ausgesetzt zu sein.

1.Strophe

Die Feststellung, dass ich nicht krank sondern schwanger bin, erfolgte parallel zur Erkenntnis, dass ich mich lebensverändernd geirrt hatte. Gleichberechtigung™ in leuchtenden Bustaben nun also auf eine Familienpackung geklebt. Der Inhalt unverändert. Vom Menschen zur Nur-Noch-Abgesandten meines Uteruses in weniger als neun Monaten. Frondienste folgend. Jegliche Rechte abgetreten an die heilige Mutter. Am Ende vollständige Muttiation.

Eine Ode an die Unfreiheit.

Wenn tatsächlich mehr erreicht wurde als das vielbesungene Neue Väter am Wochenende in durchgentrifizierten In-Bezirken Buggyschaulaufen betreiben, warum fehlt es dann immer noch allerorten an sicht- und spürbaren Konsequenzen ? Wenn von diesen dann – im immernoch seltenen Fall, dass ihre Elternzeit mehr als einige Monate beträgt – umgehend Bücher niedergeschrieben werden oder sie die Feuilletons namhafter Tageszeitungen mit ihren Leidensgeschichten befüllen müssen, bekommt das am Ende nur wieder den Stempel BESONDERS. Ein in Worte gegossenes Denkmal um die VORBILDLICHE AUSNAHME zu zementieren und sich in weiten Kreisen feiernd um sich selbst zu drehen…an der Machtverteilung ändert dies nichts.

Zwischentöne

Als Betroffene von sexualisierter Gewalt habe ich lange darum gerungen, wieder in meinem Körper anzukommen. Jetzt war ich nochmal ganz anders und neu auf Körperlichkeit zurückgeworfen und bestaunte von irritiert bis zuversichtlich, was sich da monatelang abspielte. Über allem die Befehls- und Vermessungseinheiten, welche strikt zu befolgen eine schwangere Person heute angehalten ist. Tust du es nicht, machst du dich sofort des (beginnenden) Rabenmuttertums verdächtig. Eine weitere erfolgreiche Strategie aus dem vielfältigen Sortiment von Disziplinierungsmaßnahmen, die den weiblichen Körper im Fokus haben und auf diese Weise Vereinahmungen jedweder Art zu legitimieren versuchen.

Das ich auch in diesem Zeitraum über mich lernte, dass ich nicht cis bin, alles andere als Zufall. Je mehr Menschen um mich herum darauf bestanden, dass ich mich in der Hochphase meiner Weiblichkeit befände, desto klarer wurde mir, dass das für mich nicht zutrifft. Ich fühlte mich auf eine wohlige Art sonderbar in diesem Körper, der solange nicht für mich gewesen war…ich wollte das genießen und mich nicht (wieder) mit den Zuschreibungen Anderer beschäftigen und rumärgern müssen.

2.Strophe

Verblichene Abziehbilder der Mutter dienen als Basis, vermeintlich angereichert mit neuen Hochglanzcovern ala workingmum. Das nicht nur Frauen schwanger werden und Familie nicht gleichbedeutend mit VaterMutterKind ist hat hier keinen Platz. Die Mutter bleibt doppelt biologistisch aufgeladenes Scharnier, dass für den heteronormativen Systemerhalt sorgt. Verwehrt sich eines dagegen, wird es spätestens über das Kind in altbekannte Schablonen zurückgedrängt. Familie™ muss bleiben, was Familie™ schon immer war. Alle, die es anders machen oder wollen nur zu diskreditierende Deserteur*innen.

Ich hatte nicht vor, Teil eines MutterVaterKindensembles zu werden. Bereits in meiner Schwangerschaft diskutierten Freund*innen und ich, wie mögliche Elternativen dazu aussehen könnten, entwarfen Pläne, lachten und fürchteten uns. Nachdem das Kind dann geboren war, gab es fürs Erste weder Raum noch Zeit um weiter daran zu arbeiten. Theorie es anders zu gestalten ab da an ein einziger Luxus, den ich mir in der Praxis nicht mehr leisten konnte. Abgedrängt in eine völlig eindimensionale Auslegung von Mutterrolle. Einzunehmen jetzt und gleich, fest eingebettet in einen präzise abgezirkelten Verhaltenskodex. Bei Nichteinhaltung Maßregelung durch die gesamte Umwelt, vor allem auch durch andere Mütter (die Solidarität endet immer bei „meinem“ Kind!). Vielfalt in Kindererziehung und ein scheinbar erweiterter Familienbegriff- letzlich ein weiteres Märchen Verwertungslogik des freien Marktes. Nur soweit gültig, wie es nicht wirklich an Althergebrachtem rüttelt und ökonomisch nutzbar gemacht werden kann.

Ein neues Lied anstimmen ?!

Den Begriff der “ Mutter “ zu hinterfragen, ihn Stück für Stück abzutragen und durch das Skalpell der Dekonstruktion freizulegen, was darunter wirkmächtig funktioniert ist (m)ein möglicher Weg. Anzufangen fernab von limitierenden Einbahnstrassen in Richtung Weggabelung zu laufen um andere Variationen und Konzepte gelebter Elternschaft zu erkunden.

Outro

Dabei geht es mir nicht darum diejenigen anzugreifen, die sich mit dem Mutterbegriff identifizieren (können) und diesen in ihrem Sinne ausfüllen, sondern Platz zu machen für die, die sich darin nicht wiederfinden. Ich habe viele großartige Menschen getroffen, seit dem das Kind auf der Welt ist, die mit hochhausgroßen Ladungen Wunderbar ihre Wege of Elternschaft gehen…viel zu oft steckt zudem hinter angeblich konstruktiver Kritik von Mutterschaft- von der arroganten Betrachtung sogenannter Mamablogs (die eigene Abgrenzung von selbigen plus Abwertung anbei) bis zum alleinigen Verantwortlichmachen von Müttern für alles Unheil in der Welt- erneut nur Misogynie in unzähligen Facetten…mal mehr, mal weniger geschickt getarnt.

Das Kind lehrt mich Menschsein neu, erinnert mich daran, was wirklich zählt und über allem alles einmummelnde orangegelbe Riesenliebe. Was mich aber nur noch mehr daran Anstoß nehmen lässt wie eng mir die Mutterrolle ist, wie wenig sie in stereotyper Ausführung mit mir und meinem Leben zu tun hat.

Familie und Elternschaft ist für mich das, was ich daraus mache, es ist kein starres Konstrukt, sondern liquide und den Bedürfnissen aller Beteiligten angepasst oder zumindest dies als Anspruch, der den Weg beleuchtet. Sie schließt in meiner praktizierten Version Freund*innen ebenso ein wie mir liebe Menschen meiner Verwandtschaft. Ich würde gern noch viel mehr Kinder in die Welt begleiten und ihnen beim Raum-Einnehmen und Größer-Werden zusehen…aber ich möchte nie wieder und unter keinen Umständen in diese biologistische backlash Hölle zurück, in deren Richtung ich in meinem schwangeren Körper geschubst wurde und die ich noch nicht lange wieder verlassen habe.

Oder etwas frei nach Räuberhöhle : Ich will kein Teil von diesem Mist sein.

 

 

(Not) Just Tonight

Als ich gestern morgen um halb Zehn in die gleißende Morgensonne trete, bin ich verschwitzt, müde und glitzernd glücklich eingefärbt.

photo credit: katieblench via photopin cc

photo credit: katieblench via photopin cc

Ich hatte die ganze Nacht getanzt, geredet, gelacht.

Beim Brüllenneuinterpretierenpantomimischdarstellensingen einschlägig bekannter Hymnen polnischen Haselnusswodka konsumiert.

Ich neige zum Allesummichvergessen, wenn ich einmal die Tanzfläche betreten habe. Ein wunderbarer Zustand. Nur begrenzt durch an-und abschwellende Achtsamkeit möglichst k1 durch meinen ausufernden Tanzstil ins k.o. zu entsenden.

Ein leichtes Ziehen im rechten Unterschenkel und der kleine Tinnitus in den Ohren (den richtigen Abstand zur nächsten Box immer gut abschätzen, Freund_Innen der Nacht! ) werden die nächsten Tage mein roter Faden zurück in die Erinnerung.

Seit einigen Wochen vergrößert sich mein Raum zum Leben. Breitmachen kann ich mich. Wieder. Eingepfercht in den Panzer ökonomischen Zwangs habe ich seit Mitte letzten Jahres so kämpfen müssen wie lange nicht mehr. Nichts aber auch gar nichts Heldinnenmäßiges darin. Ich habe sie wirklich satt, diese Armut-Romantiker_Innen. “ Ist ja irgendwie auch toll, wie genügsam es doch geht“, “ Wie du das alles schaaaffst“. Klappe halten ! Bitte ! ICH HABE KEINE WAHL, alles klar ?!? Armut macht kaputtkleineinsam. Selbst wenn du um Zusammenhänge weißt- nicht das viel Zeit wäre darüber lange nachzudenken- es schützt nicht vor dem Gefühl total versagt zu haben.

Auch wenn ich aufgehört habe, mich zu schämen…ich habe lange gebraucht um meinen Optimismus und meine Wut freizuschaufeln. Begraben unter soviel Druckdruckdruck. Das (fehlendes) Geld nach wie vor Tabuzone ist, habe ich selbst bei mir nahen Menschen entdecken müssen. Betretenes Mehltauschweigen dann, das alles belegt.Von den eigenen Neidgefühlen noch gar nicht angefangen, die Löcher in die Herzgegend fressen, wann immer Leute sorglos über ihre letzten Fressparties in teuren veganen Restaurants redeten oder das neueste Tattoo und trotzdem Endlosschleifenjammern, was sie alles nicht konsumieren können.

Ich bin froh bis zum Mond und zurück, dass ich nicht allein bin. Gleichzeitig zu allem Überlebenmüssen mutmachende Solidarität.

Offline. All die Liebgehabten um mich herum.

Online. Da können auch loboische Wiederkäuerdudes und pseudofeministische Bloggerinnen nichts dran ändern, die behaupten das Internet, z.B. bei Twitter wären „kaputt“ oder „sektuös“.

Immer.

Jetzt stehe ich also hier und fühle mich frischgeschlüpft. Phönixlike.

photo credit: Karen Roe via photopin cc

photo credit: Karen Roe via photopin cc

Vorsichtig taste ich mich aus der Schale, wische mir Eihaut aus dem Gesicht und freue mich über wärmende Begegnungen. Zeitrasereien wehen über intensives Reden hinweg. Eine schöne Frau*mit blauem Teddyshirt. Die Unbekannte, die meine Hand nimmt und mit mir tanzt. Eng. Losgaloppierendes Sehnsuchtsplärren.

Blicke nach Frühling. Schnell wachsende Hoffnungspflänzchen. Alles mit Lebensfreude gießen.

Nicht nur heute Nacht.

Sing to me- Identitätsmosaik Teil 1

(TW- Beschreibung sexualisierter Übergriffe )

Hinter vernarbten Schichten Panzerhaut wohnt, in einem mit Sprüngen übersäten Seelenglas:

Dieses Gefühl.

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In einem wachen neugierigen bücherverschlingenden Kind.

Ein Mädchen dann, Zuschreibungen inklusive. Eines, das sich wohl fühlt in seinem verläßlichen Körper mit dem es auf Bäume klettern und lange rennen kann ohne aus der Puste zu kommen. Das schüchtern ist und dann an „falscher Stelle“ den Mund aufreißt. Dem die Erwachsenen schon früh erzählen, wie „naseweis“ es wäre oder dass das was es gerade als seine Wahrheit ausgesprochen hat „sich nicht gehören würde laut zu sagen“. Das mit anderen Kindern im Urlaub eine Bande gründet und Geheimtreffen abhält. Ronja, die rote Zora und Zwiebelchen mit seinem revolutionären Gemüsefreund_Innen immer an seiner Seite.

Irgendwann ist es kein Kind mehr, aber die Erwachsenensachen sind auch nur verstörend. Wenn es Erwachsensein ist, bittere braune Brühe zu trinken, stinkige Zigaretten zu rauchen oder seltsame Witze zu machen, die es nicht versteht und alle Großen lachen komisch…dann können sie ihr Erwachsensein behalten.

Sich immer öfter gegen Ungeheuer(liches) verwehren müssen. Der ältere Junge, der ihm Kaugummi und einen kleinen Anhänger schenkt und sagt, wie hübsch es wäre. Der SowasWieEinOnkel, der ein Foto schickt, auf dem es 13jährig bei einer Familienfeier auf einem Stuhl im Garten sitzt. Auf die Rückseite schreibt er “ ein Bild auf dem man sieht, was (      ) für schöne Beine hat“. Der Vater, der von den „weiblichen Formen“ redet, die es langsam bekommen würde und „zickig“ nennt als es sagt, wie unangenehm ihm diese Aussagen sind. Der alte Mann im Schwimmbad, der sich im Wasser anfasst und dabei herübersieht. Der Mann mit den behaarten Unterarmen, die er in der Straßenbahn links und rechts plaziert und sich an es presst. Es schluckt schwer an all dem Ekel, der Angst und dem Gefühl von Ausgeliefert-Sein in solchen Augenblicken. Schlimmer noch, weil es für die Erwachsenen manchmal keine besondere Sache zu sein scheint.

Wie all das aber trotzdem nicht den Hunger nach Leben, nach Verstehen und Erfahren stoppen kann.

Die alten „Das Magazin“ Hefte der Eltern…und die grauweiß-gestreifte Schlafanzugshose, die feucht wird. Vergleiche der Frauen auf den Bildern, die schön sind, mit dem eigenen Körper. Sich fragen, was da noch kommt. Unsichergefärbte Vorfreude und dieses warmen Ziehen im Unterleib. Abende vorm Radio, in der umarmenden Dunkelheit Hände, die sich manchmal nicht mehr wie die eigenen anfühlen. Salt’n’Pepa singen über Sex. Aufregung in Melodie gegossen.

Mit 11 das erste Mal verliebt sein. In einen Jungen drei Klassen höher. Die Erwachsenen feiern das. Den Freundinnen legt es erzählenderweise jede kleine Begegnung auf dem Schulhof in die Hände wie besonders zerbrechliche Schätze.

Es ist kühler Mai als es das nächste Mal verliebt ist. Dieses Mal kann es niemandem davon erzählen. Das spürt es. Sie ist eine Freundin der Mutter, großgewachsen und hat braune Augen. Ihre Haare leuchten in der Nachmittagssonne. Sie ist lustig und als sie einmal zufällig sein Knie streifend sagt: “ Oh, ich dachte, du hättest eine Strumpfhose an, so braun wie deine Beine jetzt schon sind“ glaubt es den Moment entlang in etwas wunderbar Strudelig-Heißes zu versinken. Eine wieder und wieder nachcolorierte Erinnerung, die es lange Monate vorholt während es sich beim Betrachten wegsehnt.

Mit 16 küsst es auf einer Party zum ersten Mal ein anderes Mädchen. Sie hören dabei Billy and the Willies. Der Song „She’s nice“ landet auf dem Mixtape und ist konserviertes Herzklopfen, weiche Haut überall. Das blauweiß-karierte Taschentuch, das nach dem anderen Mädchen riecht, wochenlang in der Jackentasche festhaltend. Völlig hingerissen von dem anderen Mädchen mit seinen kurzen bunten Haaren, wie es immer in einem grünen Parka versinkt und Sonic Youth liebt.

Die erste gay-Party besucht es mit zitternden Beinen und trockenem Hals. Es tanzt die ganze Nacht, verträgt den Alkohol nicht und wird irgendwann auf der Tanzfläche von einer älteren Frau hart auf den Mund geküsst. Beschämt sein und flüchten ist eins. Am nächsten Tag wird ein Freund die Nummer der blonden butch mitbringen, die die ganze Zeit mitreißend rübergelacht hat. Es wird sich nicht trauen, anzurufen.

Kurz darauf muss es vom Gymnasium abgehen, zuviel Fehlzeiten und „schlechte Leistungen“ im Verbund. Die Direktorin wird beim Abschlussgespräch sagen dass es „ohnehin nie hierher gepasst hätte“. An der neuen Schule gibt es keine Punks, aber dieses Metal-Mädchen in rot-schwarz-karierten Flanellhemden und Lederhosen. Das Metal-Mädchen mit seinen witzigen Comics, in denen es die kaputten Erwachsenen zeichnet, die dröge Schule und was es bedeutet, Außenseiterin zu sein. Bald darauf entdeckt das Metal-Mädchen Batcave und sie können Stunde um Stunde in dem Zimmer des Metal-Mädchens sitzen, süßen Wein trinken und über Musik reden. Sie schreiben abwechselnd Geschichten zusammen und lesen sich ihre Gedichte vor. Sie werden das Punk/Gothic-Duo in der Schule. Bis an die Zähne bewaffnet mit ihrem Anderssein und ihrer gegenseitigen Zuneigung setzen sie sich hinweg über alle dummen Sprüche, vor allem von der Gruppe Nazijungs, die vor der Schule warten. Einmal sogar handgreiflich werden. Das Metal-Mädchen ist nun Goth, in langen Samtkleidern und Pikes. Sie lieben sich nicht nur wie Schwestern, aber das merken sie erst als sie mit anderen zusammen sind. Sich schon großflächig verletzt haben und sich nur noch in ein Dazwischen trauen, in dem sie heimlich auf Toiletten oder in Ecken weit weg von den Anderen ineinander verschlungen die Welt auf Zweisamkeit reduzieren.

Dann der Beginn der Eiszeit, in der es fast stirbt.

Schwerst verwundet durch die sadistische Gewalt einer Person, die vorgibt zu lieben, friert es sich im Körper ein und kommt lange nicht mehr irgendwo an.

Es ist jetzt auf der Flucht.

Nur noch im Vergessen zuhause, dem einzigen Ort, wo nichts schmerzen kann…

Bittermandeln zu Kuchenstücken !

Heute und noch nicht lange im Angebot:

W !U !T !

Endlich.

Ein Qualitätsprodukt, geschmiedet in langen Wochen und großer Auflage. Oft nachgefragt. Nun in riesigen Blöcken vorhanden.

Ich schreibe dagegen an nicht völlig zu verbittern. Will mir nicht mehr meine schönen Lippen blutig beißen, mir Kommentare verkneifen, d.h. Vergiftendes und Galliges runterschlucken müssen, wieder und wieder.

Verätzt nur von innen, wo doch Erbauliches entstehen soll.

Ich habe den VaterdesKindes nicht verlassen, weil ich ihn nicht mehr gemocht hätte. Ich habe ihn verlassen, weil er geleugnet hat. Dieses zur riesigen Kluft angewachsene Machtgefälle zwischen uns. Welches immer da war, aber beim Eltern_Werden nochmal völlig neu erhellt hat, wie es um die Gleichberechtigung in unserer Beziehung tatsächlich steht.

Erst nur ein haarnadelfeiner Riss und was da hindurch kam, konnte ich noch eine Zeit auffangen und mir zurechtbiegen. Irgendwann hatte ich nicht mehr genug Hände und Kraft dafür plus der Fürsorge eines kleinen Babies. Kein Krümel mehr übrig für Widerstand gegen unsichtbar geMACHTe Mechanismen.

Wer die Macht hat…

Das Leugnen, das lauter gedreht wurde. Maximum Volume 24/7.

Dann nur noch das tosende Poltern, welches den kleinen Spalt in „unüberwindbare Differenzen“ verwandelte.

Ich seh’mich da noch stehen:

Redenredenreden, aufheulen, schreien…als ob es sich um ein Verständnisproblem gehandelt hätte und nicht um schlichte Ignoranz.

Ich glaube, dass Liebe und Vertrauen letzlich nur dort gedeihen können, wo das Beziehungsgeflecht großflächig aus gegenseitiger Achtung, Empathie und Respekt für Grenzen besteht. In Augenhöhe wachsend, mit guter Sicht für alle Beteiligten und dem unbedingten Willen auch wirklich hinzusehen. Einzugreifen, wenn es nötig sein sollte.

Das gilt bei Beziehungen im Allgemeinen und Pflegegemeinschaften für kleine Menschen im Besonderen.

Die ersten Monate gefüllt mit Großfamilienpackungen Schlafmangel und Unsicherheit verbunden mit dem bedingslosen Zurückstellen des eigenen Egos- zugunsten eines winzigen Wesens, das vollkommen abhängig von dir ist. Bis auf Weiteres nicht für sich selbst sorgen können wird.

Gebündelte Strahlen eines riesigen Spotlights, dass jegliche Nuance Unstimmigkeit in gleißendes Licht taucht und brutal ausleuchtet. Die Belastbarkeit einer Beziehung wird auf die Probe gestellt in der Gnadenlosigkeit des EsMussGemachtWerdenUndZwarJETZT …ganz egal, wie eines sich gerade fühlt, was es denkt und was sonst noch so los ist.

Nicht zu vergessen: die von uns gemachte Gesellschaftsstruktur, die Menschen nur in Mütter und Väter teilen kann mitsamt anhängender eindimensionaler Ausführungsoption. Wer nicht hinsehen will, was äußerst wirkmächtig funktioniert, stützt das System und drängt jene, die Schieflagen betiteln, in Erklärungszwänge ab. Stillschweigen wird so zwischen den Zeilen verordnet. Worüber aber keines spricht, das nicht existiert.

Probleme, die Menschen in unterschiedlicher Auswirkung betreffen, werden so ins private Kämmerlein verbannt, das Politische reprivatisiert. Als gälte es lediglich endlich mal klarzukommen, sich zusammenzureißen und überhaupt, emanzipiert sind wir schließlich alle selber…

Noch schlimmer dann, wenn sich doch in breiten Lettern auf die schwarzroten Fahnen geschrieben wurde, es anders zu machen. DIE Schwachstelle meiner Subkultur ist, dass sie sich so sehr gefällt in ihrem Anti-Sein. Widersprüche können da nur abprallen an all den meterdicken Mauern, aus Selbstgerechtigkeit erbaut. Wo sämtliche Unterdrückungsmechanismen für erkannt und verbannt geglaubt, kann nur Spalter sein, wer daran zweifelt oder gar offen zu kritisieren wagt.

Das gilt auch für viele der Neuen Väter™ hier. Szenekings mit Extrakrönchen, welche sie sich an ihren von allen *ismen befreiten Aktivistenegos blankputzen.

Baby/Kleinkindgewordene Realitäten stören da nur.

Es gilt schließlich eine Revolution zu gewinnen. Oder zwei. Mindestens aber ein Plenum bei dem die eigene Anwesenheit unabdingbar ist. Das Konzert für den Widerstand, das noch organisiert werden muss. Zuhause den Kochlöffel zu schwingen ist wirklich zuviel verlangt, bei den zwei bis fünf Voküs, die noch gemacht werden müssen diese Woche.

Die Solidarität, liebe Brüder* und Schwestern* endet an der Haustür zum Squat.

Wohlgebettet auf ‚Nebenwidersprüchen‘ lässt es sich wunderbar ausruhen und für die nächste Aktion Kraft schöpfen:

Es ist doch nicht meine Schuld, wenn die Politdates immer abends sind und einer (sic!) von uns Beiden muss hingehen.

Du wolltest doch unbedingt stillen, ich kann das schlecht für dich tun. Ich hab’dir gesagt wie biologistisch ich das finde und wie unfrei dich das machen wird.

Was kann ich denn dafür, dass immer alle dich fragen, wo das Kind ist, wenn du ausgehst und mich aber mit Keksen bewerfen, sobald ich mit dem Kind zuhause bleibe. Warum sollte ich die Kekse nicht annehmen oder mal deren Backweise in Frage stellen…Kekse für alle und zwar umsonst ! Ok…du bekommst keine Kekse…aber seien wir ehrlich…du bist eben DIE MUTTER und wenn wir mal ganz ganz ganz tief in uns hineinhören bist du doch näher dran am Kind. Auf ganz NATÜRLICHE Art und Weise. Du SPÜRST eben genau, was das Kind braucht.

Ich hatte zwar keine Zeit dir bei der Suche nach einem Kindergarten zu helfen, aber das hält mich trotzdem nicht davon ab, alles shice zu finden in diesem reaktionären Rattenloch das du am Ende für unser Kind ausgesucht hast.

Kinder sind die wahren Anarchisten, aber wehe das Kind hört keinen Punk später oder wählt und dann auch noch die Grünen…das ist dann deine Schuld, seit das Kind da ist, sieht dich eines ja kaum noch auf Demos.

Was wirst du denn schon wieder so wütend…ich hab’doch nur ein Foto bei FB gepostet und mich feiern lassen für „Cutecooler Punkpapa mit Kind“ während du zufällig eben dieses Kind zuhause gesund pflegst. Das hat doch nichts miteinander zu tun, ej.

Und so weiter. Nur ein kleiner Auszug dessen, was sich so oder ähnlich viele Freund_innen und ich so anhören müssen seit das/die Kind/er da sind.

Das wir uns nicht missverstehen. Gerade weil ich nicht daran glaube, dass elterliche Liebe und Fürsorgeskillz etwas sind, dass den Einen* via „biologischer Dreingabe“ mehr läge als den Anderen* regt mich auf wer genau das immernoch behauptet und sich dementsprechend verhält. Noch xmal mehr wenn in meinem ach so radikalen Umfeld einerseits die Utopie der *ismenfreien Gesellschaft obsessiv verteidigt und mantrenartig zelebriert wird, wenn es dann aber an die eigenen Privilegien geht Essig mit ANTI ist. Gefressen wird, was da ist und gekotzt nur über das diskriminierende Verhalten Anderer. Der Bauch gefüllt auf Kosten derer, die betroffen sind.

Die Möglichkeiten all das zu thematisieren oder gar zusammen abzubauen/zu verhindern/es tatsächlich anders zu machen dadurch komplett verbaut.

Ich will meine Bitterkeit nicht länger runterschlucken, ich will sie denen vor die Füße speien, die davon profitieren.

Meine Bittermandeln für Kuchen, die allen schmecken können.

Nicht umsonst sondern der Preis gezahlt von denen, die es sich verdammt nochmal leisten können.

Guten Appetit !

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Nudeln mit Ketchup

Lange schon schleiche ich um das Thema und nähere mich vorsichtig aus allen Himmelsrichtungen:

Armut ist immer das, was bei anderen noch viel schlimmer aussieht.

Mit dem Finger auf den Abgrund zu zeigen, welcher sich zwischen mir und anderen immer dann auftun respektive überhaupt erst sichtbar werden kann, wenn von Gelddingen die Rede ist. Schwer, so schwer.

Ich bin arm.

Damit ist nicht gemeint, dass ich mir das aktuelleste Iphone nicht leisten oder nicht nochmal in den Urlaub fahren kann, mir das 13. rare vinyl diesen Monat nicht kaufe oder doch eins der drei abonnierten Magazine abbestellen muss. Das sind Luxusprobleme, liebe Freund_Innen des Konsums und für derlei Lifestylefragen bitte ich andere blogs aufzusuchen. Küsschen und winke winke.

Ich bin arm und habe Angst das Ausmaß meiner Armut vor euch auszubreiten.

Ich will kein Ausstellungsobjekt für diejenigen sein, die mich dann mitleidig betrachten können um sich danach entspannt zurücklehnen und “ Puhh, die Arme*, haben wir es gut“ zuzuflüstern. Mich so an die Stelle einer bemitleidenswerten Person platzieren…bloß weit genug weg von ihrer eigenen Lebensrealität.

Ich bin arm aber ich SCHÄME MICH NICHT MEHR DAFÜR.

Die Scham war bis eben mein unfreiwillig abgelegtes Schweigegelübde.

Ich bin sogar manchmal stolz: Dass ich es trotzdem schaffe klarzukommen.

Ich habe es satt mich defizitär zu fühlen, weil ich an die meisten Konsumgüter nur so nah herankomme, wie die Schaufensterscheibe es zulässt. Diese Welt war ohnehin nie die meine, was macht das also schon. Als ich Zonenkind das erste Mal mit meinen Eltern in einem westlichen Kaufhaus stehe, bin ich noch sehr sehr klein und alles um mich herum zu grell, zu bunt, zuviel. Ich bekomme Angst und will da schnell wieder weg ( die erste Tüte Nimm2 und ein Pumuckl-Buch trotzdem große Schätze in meinen Händen auf dem Weg nach Hause ).

Stolz, welchen ich aber teuer bezahle.

Wenn ich finanzielle Hilfen von Freund_Innen ausschlage, wenn ich nicht beantrage, was mir das Leben zwischen Studium, Arbeit und Kleinkindfürsorge ein wenig erleichtern könnte, wenn ich mich weigere, mich zum Essen einladen zu lassen oder erst nach langen Erklärungen, die Sätze wie“ Dann musst du aber versprechen, dass ich dich auch bald einmal einladen darf“ enthalten. Wenn ich keiner Menschenseele erzähle, dass ich nachts wieder nicht schlafen konnte beim Rechnungen im Kopf hin-und herschieben oder ob der Frage, wie ich die aktuelle Semestergebühr bezahlen soll. Lieber eine Woche Nudeln, am Ende gar ohne Ketchup, bevor ich das care paket der Freundin annehme.

Stolz, der sich in kleine harte Wutkugeln verwandelt,  wenn mir eines lang und breit erzählt, welche vegetarian shoes es als nächstes erwerben wird, zusätzlich zu den vier fast neuen, die bereits im Schrank stehen. Schnell schiebe ich mein abgetragenes (und einziges Schuh) Paar unter den Tisch und sage “ Ja, die halten echt ewig“.

Und…

Die Wirkung dieses Stolzes ist flächendeckender als ich wahrhaben will. Stülpt einen Mantel des Schweigens über diskriminierende Struktur. Ich sage nichts, niemals und nirgendwo. Schließlich bin ich stark und schaff’das auch ALLEINE, dankeschön. Nichts und niemand kann mir so etwas und so werde ich zur Mittäterin* beim Unsichtbarmachen dieser hässlichen Mechanismen die uns in Gewinner_ und Verlierer_innen teilen (sollen) . Mechanismen, die mich selbst betreffen.  Von Menschenhand geMACHT. Aus der Region und biologisch einwandfrei. Ich will die Arbeit am Erhalt eines menschenverachtenden Systems niederlegen, verweigern, nicht mehr mitmachen. Will nicht mehr zulassen, dass strukturelle Missstände auf Individuen heruntergebrochen werden und dort mit aller anhängenden Verantwortung liegenbleiben. Dass das Politische dadurch REprivatisiert wird.

“ Wenn du etwas wirklich willst, dann schaffst du es auch “ steht auf Transparenten von Menschen, die die Wettbewerbs- und Konkurrenzlogik dieser Gesellschaft längst so verinnerlicht haben, dass sie sie als die natürliche™ und nur folgerichtige Lebenshaltung erachten. Die sie dann gerne hochhalten während sie sich um mein persönliches „Versagen“ versammeln, mit den Fingern auf (vermeintliche) Fehlentscheidungen zeigend.

Meine Verantwortung liegt darin, hinzuschauen, wo ich selbst dabei mitmache und auf welche Art. Mich auch zu erinnern, welche Wege ich bis jetzt gegangen bin und warum. Ohne Wertung. Ohne mich selbst dafür herabzusetzen und zu verdammen.

Ehrlich zu sagen, dass ich manchmal vor Erschöpfung weine. Angst habe unter dem immensen ökonomischen Druck irgendwann einmal zusammenzubrechen. Das wunderbare Kind anschaue und mir die Brust wehtut, weil ich nicht weiß, ob ich mir nicht ganz gewaltig etwas vormache, wenn ich mir sage, dass es die gleichen Chancen wie alle anderen haben wird. Weil ich doch alles dafür in meiner Macht Stehende tue. Denn hier ist der Punkt, wo ich mir eingestehen muss, dass meine Macht eine kleine ist…und je mehr ich zeige, dass es trotzdem geht, nur die bestätige, die weiter oben benannte “ Du bist deines Glückes Schmied „ Marktpolitik für einzig wahr halten.

Ein Teufelskreis.

Der weitaus größere Anteil an der Verantwortung liegt doch bei denen, die privilegiert sind, die (mehr) MACHT haben, meiner Stimme und der Anderer Gehör zu verschaffen, Raum (ab) zu geben um dann zusammen Dinge zu ändern.

Bei einem respektvollen und konstruktivem Gespräch auf Twitter über diesen Text der Bloggerin Mama Miez ist mir wieder aufgefallen, warum ich nicht länger still sein will.

Es geht mir mitnichten darum, Eine mit Negativismus zu bewerfen, welche einfach etwas Nettes getan hat. Wer behauptet das 20 Euro auch nichts ändern würden, entlarvt sich selbst als privilegierte Person, die nicht weiß wie es sich im „prekären“ Bereich der Gesellschaft anfühlt. Das die Bloggerin Empathie gezeigt und offensichtlich mit ihrem post auch bei anderen geweckt hat, ist doch zu begrüßen.

Mich beschleicht beim Lesen nur einmal mehr das Gefühl, dass es am Ende wieder ausschließlich um das abfeiernde Bestätigen des eigenen (gesellschaftskonformen) Lebensentwurfes geht und die ältere Dame samt ihres offensichtlichen Elends zur Backgroundmusik degradiert wird…eine Begleitmelodie, welche unterstreicht wie menschlich und warmherzig eines selbst ist und nach Beifall heischt. Nun ist Mama Miez weder politisch motivierte Bloggerin noch will ich diese Tatsache be- oder gar abwerten. Ausgerechnet an ihr strukturelle Diskriminierung abzuarbeiten und sowohl sie als auch die ältere Dame in oben/unten Stellvertreterinnenrollen zu besetzen ist zudem anmaßende selbstgerechte Dialektik, die keinem Menschen etwas nutzt. Als hätten abwertende bis zynische Reaktionen jemals bedürftige Kühlschränke gefüllt oder wartende Rechnungen bezahlt.

Mich stört vielmehr, dass sich die meisten der Kommentator_innen eher mit der Großartigkeit der Autorin beschäftigen, unzählige Male wiederholen, wie toll das doch alles wäre und die eigentliche Alltagsheldin in dieser Geschichte dabei vollends im Hintergrund verschwindet.

Eine erneute Auflage von wir hier und euch dort. Erleichterndes Ausatmen, wenn eines sich auf der richtigen Seite befindet.

Wichtige Fragen, die auch in dieser Diskussion aufgeworfen worden, sind für mich vor allem die nach der Würde plus deren Aushängeschild, dem Stolz und wie von oben nach unten verteilt werden kann ohne das selbige berührt wird.

Ich möchte aber, dass wir darüber reden, warum es dieses oben/unten überhaupt gibt und was sich zudem dazwischen noch alles abspielt.

Wo die berühmte Schere zu wachsen beginnt um dann Lebensrealitäten zu schneidern ( und wer sie hält !) und am Ende genau die klaffenden Abgründe zurücklässt, in die auch ich schon gefallen bin. Weil es irgendwann aus menschlicher Kraft nicht mehr möglich ist diese Kluft zu überwinden, schon zweimal nicht ganz auf dich selbst gestellt.

Pisa-Studie, OECD-Bericht, Bildungsbericht der Bundesregierung, die Grundschulstudien Iglu und Timss, die jüngste Erhebung der Bertelsmann-Stiftung – immer und immer wieder wird das deutsche Bildungssystem untersucht, mit unterschiedlichen Methoden und unterschiedlichen Fragestellungen. Die Diagnose ist immer dieselbe: In Deutschland sind die Bildungschancen extrem ungleich verteilt. ( Quelle : http://www.zeit.de/2013/28/bildungsungerechtigkeit-bildungspolitik )

Die Verachtung des sogenannten ( wo auch immer dieser anfangen oder aufhören mag) Mittelstandes für sich in Armut befindende Mitmenschen mitsamt all den distanzierenden oft abfälligen Begrifflichkeiten entspringt der Angst selbst irgendwann dazuzugehören… Oder sich bereits näher zu sein als eines als Tatsache anzuerkennen bereit ist. Es verwundert nicht, dass es beispielsweise FunktionsTV- und fastfoodbashing braucht, dass dir immer wieder versichert, dass DU nicht so bist.  Wenn du dann auch noch alle second hand Klamotten in Vintage stuff umlabelst, auch weil du dir die neuesten Klamotten nicht mehr leisten kannst, dann ist hexhex wieder alles so wie es sein soll. Die Mitarbeiterin meiner Bank, die verächtlich schnaubt als sie feststellt, dass ich ein P-Konto habe und mich ab da nur noch geringschätzig abzukanzeln versucht…nur ein weiteres Beispiel, wie sich Menschen in unsicheren Zeiten stetig ihrer eigenen Rechtschaffenheit und Normalität versichern müssen.

Armut, Geschlecht, Körper , race etc. werden so immer wieder zur jeweiligen Negativschablone von der es sich positiv abzusetzen gilt. Armut zur Hipsterness zu erklären und ironisch hochleben zu lassen ist übrigens auch wenig hilfreich. Es ist es nämlich nur dann romantisch, bei Kerzenlicht im Camouflage-Trainingsanzug einen leckeren Teller Nudeln mit Ketchup zu verspeisen, wenn du dazu die freie Wahl hattest. Wenn die Kerzen brennen, weil du die Stromrechnung nicht bezahlt hast, Trainingsanzug+Nudeln mit Ketchup das Einzige sind, dass du dir noch leisten kannst bist du auf der anderen Seite, da wo keines sein will und du mitleidige Blicke zuhauf bekommst und zwar völlig kostenlos.

Was ich darüber hinaus schwierig finde sind Stimmen aus gesellschaftskritischen Kreisen, die Texten die Relevanz absprechen, je mehr sie persönlich gefärbt sind. Auch hier ein REprivatisieren von einem Thema, das soviele (und immer mehr) betrifft und dadurch mit genau den Mechanismen gedeckelt wird, die doch an anderer Stelle so vollmundig bekämpft werden (sollen). Das hätte Bourdieu ganz sicher nicht gefallen.

Stattdessen könnte eines die Energie nutzen und die eigene Position samt möglicherweise anhängender Privilegien einer ausführlichen Prüfung unterziehen.

Ich bin arm, aber ich schäme mich nicht mehr dafür.

Schweigegelübde gebrochen.

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Magic Touch

Regen schießt kleine nasse Gewichte auf meine Haut und zieht mich ins HIER und JETZT. Dort auch zu bleiben habe ich vom Kind gelernt.

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Voll und groß von soviel Fühlen laufe ich durch leere Straßen nach Hause.

Rühre an Eingemachtem, denn Glück ist anders als erwartet.

Gestern noch ganz schwer von all der Hitze und Begierde, die mich in meinen Träumen einschloss. Fragile Zartheit massiver Welten, die in meinem Hasenherz entstehen- vergehen und verletzen können.

Ich denke an mich-  polterndes Lachen. Ansteckend vielleicht…wenn da noch eines wäre. Was nicht ist. Fühlt sich leise an. Gut. Sachte.

Allein-Sein und doch nicht einsam. Alles andere als das.

Ich bin dankbar, mir und Anderen…dass ich es noch lernen konnte: SELBSTakzeptanz. Liebe. Vertrauen. Erfüllt von mir und euch und dem was drumherum passiert. Nicht oft. Irgendetwas zehrt immer. Wieder.

Vielleicht soll das auch so, ich weiß es nicht.

Ich weiß aber sicher, dass ich- als ich das erste Mal etwas überlebt hatte und erneut leben lernen musste wollte- mit dem Einfachsten, Elementarsten angefangen habe:

Essen.Trinken. Schlafen. Schmecken. Tasten.

Mir nochmal trauen und mich fühlen. Auch hinsehen. Zuhören.

Kleine Injektionen Leben. Langsam und in regelmäßigen Abständen verabreicht. Unsagbar schwer auszuhalten, wenn vorher alles in Angst und Schmerz getaucht war.

Es gab Zeiten ( blass getönte Bilder, aber vergessen ist es nicht), da habe ich mir nicht mal Träumen erlaubt…es ging nur ums Überleben. Im wörtlichsten Sinne. Der einzige Wunsch: Das es aufhört wehzutun. Jetzt kann ich die Weite wieder feiern, die im Träumen wartet.

Was mir dabei schwer verdaulich ins Bewusst-Sein tropft :

Wie wenig Raum doch für die großräumig Verletzten ist.

An Menschen und deren geMACHTen Strukturen zu kranken ist nur so lange tragbar, wie du es schaffst alles am Ende in gewonnene Stärke zu gießen…das Nicht-mehr-Klarkommen aber, dieses Ausgeblutet- und Ausgedünnt-Sein selbst, jenes Sich-So-Am-Ende-Fühlen, dass der Brustkorb bei jedem Atemzug schmerzt samt Reflexion darüber…ach, mach‘ DAS doch bitte mit dir zuhause ab.

Wut ist die Währung, die alle gern entgegennehmen (ich auch, gerade jetzt !) aber das da auch eine unglaubliche Kraft in JEDEM Überleben wohnt und das Dünnhäutigkeit und Verletzlichsein keine Schwächen sind…als ob es in einer Welt, an der du ob auf permanentes LAUTundFORDERNDgedreht schier verzweifeln kannst, nicht umso wichtiger ist JEDE EINZELNE NUANCE hochleben zu lassen in der du es NICHT tust. Oder anders: Sichtweisen ver_rücken und dann dein Handeln verändern kannst ohne dass es dich zerreißt.

Ent_täuscht-Sein auch als Ergebnis von Aktivismusbattlen und keinem (öffentlichen) Raum fürs Verschnaufen. Irritationen, wenn ich es wieder mal nicht geschafft habe bei allen Debatten und Diskursen am Ball zu bleiben. Der lange Arm des Konkurrenz und Wettbewerbsgedanken…er reicht auch weit in meine (netz) feministische bubble hinein- Fragen nach dem Befinden dann mit komisch-drängenden Untertiteln.

Wie schön ich es finde, immer noch berührt werden zu können. Das bei all dem wulstigen Narbengewebe nämlich genug Stellen übriggeblieben sind auf die das Fühlen zielen kann.

Wie sehr ich mir jetzt noch wünsche, dass es auch Platz dafür gibt zusammen saftlos auszuruhen während wir uns die sperrigen spitzen Lebensunwegbarkeiten aus dem Fleisch pulen.

Mehr Willen zu verstehen, dass es manchmal schon anstrengend genug ist, sich überhaupt bemerkbar zu machen. In Kontakt zu bleiben, wie auch immer der dann im Einzelnen aussehen mag. Wie schwer es sein kann, sich zu (Wort) melden, wenn 1 schon völlig vergessen hat, wie die EIGENE Stimme klingt…oder sie überhaupt erst noch finden muss.

Was mir hilft:

Wenn ich mich mal wieder in der Sehnsucht verlaufen habe, ich mich nur noch niedergedrückt auf dem Boden unliebsamer Tatsachen wiederfinde und mir alle Lampen auszugehen drohen, sind mir Eigenliebe und all die gerngehabten Menschen hier (on) und dort (off) Lichter, die mögliche Wege heraus (er)leuchten. Oft zusammengesetzt aus vermeintlichen Kleinigkeiten. Warmer Glitzerkitt, der mich zusammenhält wenn ich im Alltagskampf fast zerbrösele.

Ich kann mich dann wieder vorsichtig weg bewegen von tiefsitzenden starren Denkmustern, die Großes von mir erwarten und hangel mich stattdessen von Liebhab zu Liebhab. Ein kleines großes Berührt-Sein im Augenblick, das alles bunter färbt:

Ein richtiger Brief in den Händen oder die Karte aus Japan von Menschen, die ich noch nie getroffen habe. Zusammen auf einem Konzert in Musik eintauchen und dabei Zeit und Raum vergessen. Eine Suppe von der Nachbarin vorbeigebracht bekommen. Der Dozent, der unerwarteterweise auf meine Ichhabnichtsmehrzuverlierenmail mit Wiesenthalplakat-Zitaten ( „Spät, aber nicht zu spät.“) antwortet. In Wirklich und Echt getroffene Menschen, die ich vorher nur von ihren blogs kannte und die noch viel toller sind als gedacht. Gespräche bis in den Morgen, die Müdigkeit verwischen und alles mit neuer Klarheit streichen. Liebesgrüße per Punkpost ( meist von umherreisenden/tourenden/wieauchimmer bewegten Menschen weitergetragene Päckchen/Briefe mit Zines/Platten/Botschaften etc., die die üblichen Postwege umgehen ;)…) von einer meiner LieblingsriotgRRRlbands…

Das Kind…immer wieder dieses Kind…wie es mir die Haare aus dem Gesicht streicht und versucht hinters Ohr zu schieben, so wie ich es immer bei ihm mache. Wie es meinen richtigen Namen sagt (woher weiß es den ???) genau wie Bastian in der Unendlichen Geschichte den neuen Namen der Kindlichen Kaiserin. Wie es überhaupt beim Einschlafen immer wieder die Namen derer wiederholt, die tagsüber einen bleibenden Eindruck in seiner Welt hinterlassen haben, gerade so als gälte es sie kurz vorm Schlaf nochmal ums Bett zu versammeln. Wie es wogende Bäume anstarrt und sich dann langsam mitbewegt. Wie es laut kreischt beim Anblick der Hauskatze, die immer flieht, wenn sich das Kind nähert. Wie es allen Menschen und Tieren, denen es begegnet auf der Staße ein“ Halloooo“ entgegenschmettert. Wie es, wo es geht und steht Rhythmus und Melodie entdeckt und sich dann im Kreis dreht oder mit den Armen schlenkert und mich so daran erinnert, dass Musik wirklich ÜBERALL ist. Wie es auf Menschen zugeht…achtsam, abwartend und sich Ihnen dann voller Vertrauen nähert.  Wie es so verdammt freigiebig mit seiner Liebe umgehen kann…bedingungslos und ganz und gar.  Ich habe gar keine Wahl als immer wieder zu mir zurückzukehren mit diesem kleinen Seismographen bei mir, der für absolute Aufrichtigkeit sorgt oder eben an die Abwesenheit selbiger mahnt.

Rührt an Althergebrachtem, denn Selbstverständlichkeiten sind für die Eingerosteten.

So nehme ich das Heute und stelle es zu den anderen HIER und JETZT-Momenten. Gesammeltes Erfüllt-Sein als Depot für widrige Zeiten.

Mein System zum (Über) Leben.

Was vermag euch zu berühren? WIe behelft ihr euch in schwierigen Situationen ? Wie wehrt ihr ein drohendes Ausgebrannt-Sein ab? Was macht ihr, um es gut gehen zu lassen und euch zu erholen ? Warum ist es überhaupt so notwendig, sich immer wieder auszuruhen ?Ist es nicht bedenklich, dass schon das „normale“ Klarkommen oft soviel Energie verbraucht ? Was heißt für euch schönes Leben ?