Magic Touch

Regen schießt kleine nasse Gewichte auf meine Haut und zieht mich ins HIER und JETZT. Dort auch zu bleiben habe ich vom Kind gelernt.

Pflaster_im_Regen_fcm

Voll und groß von soviel Fühlen laufe ich durch leere Straßen nach Hause.

Rühre an Eingemachtem, denn Glück ist anders als erwartet.

Gestern noch ganz schwer von all der Hitze und Begierde, die mich in meinen Träumen einschloss. Fragile Zartheit massiver Welten, die in meinem Hasenherz entstehen- vergehen und verletzen können.

Ich denke an mich-  polterndes Lachen. Ansteckend vielleicht…wenn da noch eines wäre. Was nicht ist. Fühlt sich leise an. Gut. Sachte.

Allein-Sein und doch nicht einsam. Alles andere als das.

Ich bin dankbar, mir und Anderen…dass ich es noch lernen konnte: SELBSTakzeptanz. Liebe. Vertrauen. Erfüllt von mir und euch und dem was drumherum passiert. Nicht oft. Irgendetwas zehrt immer. Wieder.

Vielleicht soll das auch so, ich weiß es nicht.

Ich weiß aber sicher, dass ich- als ich das erste Mal etwas überlebt hatte und erneut leben lernen musste wollte- mit dem Einfachsten, Elementarsten angefangen habe:

Essen.Trinken. Schlafen. Schmecken. Tasten.

Mir nochmal trauen und mich fühlen. Auch hinsehen. Zuhören.

Kleine Injektionen Leben. Langsam und in regelmäßigen Abständen verabreicht. Unsagbar schwer auszuhalten, wenn vorher alles in Angst und Schmerz getaucht war.

Es gab Zeiten ( blass getönte Bilder, aber vergessen ist es nicht), da habe ich mir nicht mal Träumen erlaubt…es ging nur ums Überleben. Im wörtlichsten Sinne. Der einzige Wunsch: Das es aufhört wehzutun. Jetzt kann ich die Weite wieder feiern, die im Träumen wartet.

Was mir dabei schwer verdaulich ins Bewusst-Sein tropft :

Wie wenig Raum doch für die großräumig Verletzten ist.

An Menschen und deren geMACHTen Strukturen zu kranken ist nur so lange tragbar, wie du es schaffst alles am Ende in gewonnene Stärke zu gießen…das Nicht-mehr-Klarkommen aber, dieses Ausgeblutet- und Ausgedünnt-Sein selbst, jenes Sich-So-Am-Ende-Fühlen, dass der Brustkorb bei jedem Atemzug schmerzt samt Reflexion darüber…ach, mach‘ DAS doch bitte mit dir zuhause ab.

Wut ist die Währung, die alle gern entgegennehmen (ich auch, gerade jetzt !) aber das da auch eine unglaubliche Kraft in JEDEM Überleben wohnt und das Dünnhäutigkeit und Verletzlichsein keine Schwächen sind…als ob es in einer Welt, an der du ob auf permanentes LAUTundFORDERNDgedreht schier verzweifeln kannst, nicht umso wichtiger ist JEDE EINZELNE NUANCE hochleben zu lassen in der du es NICHT tust. Oder anders: Sichtweisen ver_rücken und dann dein Handeln verändern kannst ohne dass es dich zerreißt.

Ent_täuscht-Sein auch als Ergebnis von Aktivismusbattlen und keinem (öffentlichen) Raum fürs Verschnaufen. Irritationen, wenn ich es wieder mal nicht geschafft habe bei allen Debatten und Diskursen am Ball zu bleiben. Der lange Arm des Konkurrenz und Wettbewerbsgedanken…er reicht auch weit in meine (netz) feministische bubble hinein- Fragen nach dem Befinden dann mit komisch-drängenden Untertiteln.

Wie schön ich es finde, immer noch berührt werden zu können. Das bei all dem wulstigen Narbengewebe nämlich genug Stellen übriggeblieben sind auf die das Fühlen zielen kann.

Wie sehr ich mir jetzt noch wünsche, dass es auch Platz dafür gibt zusammen saftlos auszuruhen während wir uns die sperrigen spitzen Lebensunwegbarkeiten aus dem Fleisch pulen.

Mehr Willen zu verstehen, dass es manchmal schon anstrengend genug ist, sich überhaupt bemerkbar zu machen. In Kontakt zu bleiben, wie auch immer der dann im Einzelnen aussehen mag. Wie schwer es sein kann, sich zu (Wort) melden, wenn 1 schon völlig vergessen hat, wie die EIGENE Stimme klingt…oder sie überhaupt erst noch finden muss.

Was mir hilft:

Wenn ich mich mal wieder in der Sehnsucht verlaufen habe, ich mich nur noch niedergedrückt auf dem Boden unliebsamer Tatsachen wiederfinde und mir alle Lampen auszugehen drohen, sind mir Eigenliebe und all die gerngehabten Menschen hier (on) und dort (off) Lichter, die mögliche Wege heraus (er)leuchten. Oft zusammengesetzt aus vermeintlichen Kleinigkeiten. Warmer Glitzerkitt, der mich zusammenhält wenn ich im Alltagskampf fast zerbrösele.

Ich kann mich dann wieder vorsichtig weg bewegen von tiefsitzenden starren Denkmustern, die Großes von mir erwarten und hangel mich stattdessen von Liebhab zu Liebhab. Ein kleines großes Berührt-Sein im Augenblick, das alles bunter färbt:

Ein richtiger Brief in den Händen oder die Karte aus Japan von Menschen, die ich noch nie getroffen habe. Zusammen auf einem Konzert in Musik eintauchen und dabei Zeit und Raum vergessen. Eine Suppe von der Nachbarin vorbeigebracht bekommen. Der Dozent, der unerwarteterweise auf meine Ichhabnichtsmehrzuverlierenmail mit Wiesenthalplakat-Zitaten ( „Spät, aber nicht zu spät.“) antwortet. In Wirklich und Echt getroffene Menschen, die ich vorher nur von ihren blogs kannte und die noch viel toller sind als gedacht. Gespräche bis in den Morgen, die Müdigkeit verwischen und alles mit neuer Klarheit streichen. Liebesgrüße per Punkpost ( meist von umherreisenden/tourenden/wieauchimmer bewegten Menschen weitergetragene Päckchen/Briefe mit Zines/Platten/Botschaften etc., die die üblichen Postwege umgehen ;)…) von einer meiner LieblingsriotgRRRlbands…

Das Kind…immer wieder dieses Kind…wie es mir die Haare aus dem Gesicht streicht und versucht hinters Ohr zu schieben, so wie ich es immer bei ihm mache. Wie es meinen richtigen Namen sagt (woher weiß es den ???) genau wie Bastian in der Unendlichen Geschichte den neuen Namen der Kindlichen Kaiserin. Wie es überhaupt beim Einschlafen immer wieder die Namen derer wiederholt, die tagsüber einen bleibenden Eindruck in seiner Welt hinterlassen haben, gerade so als gälte es sie kurz vorm Schlaf nochmal ums Bett zu versammeln. Wie es wogende Bäume anstarrt und sich dann langsam mitbewegt. Wie es laut kreischt beim Anblick der Hauskatze, die immer flieht, wenn sich das Kind nähert. Wie es allen Menschen und Tieren, denen es begegnet auf der Staße ein“ Halloooo“ entgegenschmettert. Wie es, wo es geht und steht Rhythmus und Melodie entdeckt und sich dann im Kreis dreht oder mit den Armen schlenkert und mich so daran erinnert, dass Musik wirklich ÜBERALL ist. Wie es auf Menschen zugeht…achtsam, abwartend und sich Ihnen dann voller Vertrauen nähert.  Wie es so verdammt freigiebig mit seiner Liebe umgehen kann…bedingungslos und ganz und gar.  Ich habe gar keine Wahl als immer wieder zu mir zurückzukehren mit diesem kleinen Seismographen bei mir, der für absolute Aufrichtigkeit sorgt oder eben an die Abwesenheit selbiger mahnt.

Rührt an Althergebrachtem, denn Selbstverständlichkeiten sind für die Eingerosteten.

So nehme ich das Heute und stelle es zu den anderen HIER und JETZT-Momenten. Gesammeltes Erfüllt-Sein als Depot für widrige Zeiten.

Mein System zum (Über) Leben.

Was vermag euch zu berühren? WIe behelft ihr euch in schwierigen Situationen ? Wie wehrt ihr ein drohendes Ausgebrannt-Sein ab? Was macht ihr, um es gut gehen zu lassen und euch zu erholen ? Warum ist es überhaupt so notwendig, sich immer wieder auszuruhen ?Ist es nicht bedenklich, dass schon das „normale“ Klarkommen oft soviel Energie verbraucht ? Was heißt für euch schönes Leben ?

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4 Antworten zu “Magic Touch

  1. Meine Liebste, wie schön du das geschrieben hast und wie sehr du mich damit berührst, du liebe, kluge, besondere Frau. Ich will dir nur ganz kurz antworten auf deine letzten Fragen: das schöne Leben, das Schöne im Leben, an dem ich mich innerlich auffülle, das ist meine Familie, meine Kinder im Besonderen aber darüber hinaus Menschen im Allgemeinen. So paradox das ist, weil die Menschen auch diejenigen sind, die verletzen, auslaugen, kalt machen… sie sind es auch die berühren, bewegen, denen ich begegnen kann. Wirklich begegnen, nicht einfach nur „treffen“.
    Ich lasse mich immer wieder berühren, alles andere macht überhaupt keinen Sinn für mich.
    Sonst: die kleinen Dinge, die in Wirklichkeit gar nicht klein sind. Musik, Bücher, Kunst. Tatsächlich auch das DRAUßEN, der Spaziergang am Wasser, die Kastanie in der Hand, die Schneeflocke auf der Zunge.

    Das Leben ist ein Fest. Mit Nudeln und Ketchup. Und unerwarteten, wunderbaren Begegnungen. Bald wieder!

    • Danke, Liebe ❤ ! Genau dis…das große Leben im Kleinen.
      Kürzlich, an einem dieser Tage, wo einfach alles schief lief…waren da diese zwei riesigen besch-weißen Hunde in der S-Bahn und wie sie ganz würdevoll in der Menge saßen und alle sie anstarrten, gerührtgeschüttelt stiegen wir dann aus und danach die Bäckersfrau in der Markthalle, die immer grimmig guckt und dem Kind trotzdem eine Leckerei zusteckte…ich weiger'mich den schönen Faden fallenzulassen, der sich durch mein Leben zieht, nur weil gerade alles so verdammt schwer geworden ist, ich manchmal vor Geld-und Zukunftssorgen weder ein noch aus weiß…aber mein Leben ist JETZT und es ist ein gutes…und ich vergesse manchmal, wie glücklich ich mal war ÜBERHAUPT noch eins zu haben. Ich habe meine Menschenliebe nicht verloren und ich hoffe, ich kann das auch dem Kind beibringen…umgekehrt erinnert es mich nämlich jeden Tag daran ❤ .
      Bis ganz ganz bald und all teh Umärmelungen an dich und die tollen Kidz…

  2. Deine Texte lese ich immer in eigenartigen Momenten… Heute: beseelt vom Freundinnen-Musizieren, Bier, im Regen auf die Straßenbahn wartend … Menschen mit Österreichfahnen gegen an mir vorbei (warum?). Solche Momente mag ich, die helfen Anstrengungen zu vergessen. Und stundenlanges Durchreden hilft auch. Und: gemeinsame Momente, die das Jetzt spürbar machen! Ach, anstrengend (so richtig energiefressend) ist das Leben für so viele um mich herum, wann hat das angefangen? Und: Hört es auf?

    • Ja…diese Momentaufnahmen, die mich erinnern warum ich so gierig bin nach Leben…ich könnte es gerade wirklich bisweilen vergessen in all dem täglichen Kampf…und das ist es wirklich, ein Kampf. Ich arbeite (hust, räusper) daran, dass irgendwann NICHT mehr alles nur Arbeit ist, denn wie ich heute las : “ Life moves pretty fast. If you don’t stop and look around once in a while, you could miss it. “ Dis ! Spielst du selbst auch ein Instrument ?! Musik (ob nun hören oder selber machen)…das ist sososo wichtig für mich und Kommunikation, die. Langes seelenterrainabsteckendes Austauschen via Sprache…und all eure tollen blogs lesen und immer berührt und bewegt werden ❤ . Liebste Grüße !

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