Rock’n’Roll Freitag

Freund*innen der modernen Tanzkunst, blutender Ohrgänge und des feministqueer Anspruchs : Ab jetzt Freitags hier Plattenreviews, Interviews, gig dates und lebensverändernde Musikfilme. YES !!!

Wenn du Krach magst wirst du es lieben…

Wir starten den Wahnwitz mit dem neuesten Dokumentarfilm AND YOU BELONG der umtriebigen  Julia Ostertag ( Noise & Resistance, Gender X u.a. ) .
D.I.Y. attitude und das Torpedieren von überkommenen Geschlechterbildern geben die Basis. Hip Hop ist teh kwiehn. Dazu ein Schluck Pop hier. Eine Kelle punkiger glam rock da . Alles in einer Wolke aus Glitter und wirklich immer dieser beat, der einen direkten Tanzbefehl in deinen Körper pflanzt : Das sind Cindy Wonderful und Sarah Adorable, zusammen SCREAM CLUB.

Gegründet 2002 in Olympia/WA, ein gut halbes Jahr nachdem sie sich in einem Pornoladen kennengelernt und sofort für großartig befunden hatten. Momentan in Berlin lebend haben sie in den letzten 10 Jahren unzählige Beiträge auf diversen compilations hinterlassen und 3 Alben (u.a. veröffentlicht auf dem EmancyPunx Label) das Leben geschenkt.

Der Film ist dabei nicht nur die Geschichte zweier toller Frauen, die zusammen Musik machen. Er zeigt darüberhinaus was mit kiloweise Inspiration und kreativer Liebe möglich ist und gewährt einen Einblick in den queeren Undergrund Berlins. Julia und ihre Kamera waren 4 Jahre lang mittendrin wenn Scream Club auf acts wie Badkat , Mz Sunday Luv oder nuclear family  u. A. treffen. Neue Projekte starten. Hat draufgehalten wenn auf dem dancefloor bis zur glücklichen Erschöpfung geschwitzt oder die Suche nach Alternativen zu gängigen gender roles gelebt wird.

27297_592691160758058_232683699_n

Seit dabei, wenn am Tag des ONE BILLION RISING zusammen mit Menschen in der ganzen Welt ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt wird und kommt danach zur Premiere des Films ins Moviemento in Kreuzberg. Wenn ihr dann noch Puste habt, tanzt mit uns im Loophole weiter in den Morgengrauen !!!

Sexist Appeal

(Triggerwarnung: Für den ‚ Normalzustand ‚. )

Worte wie Skalpelle, die einmal durch mich durchfahren und dabei mein Inneres freilegen.  Ein hübsch sauberer Schnitt. Herauskommt eine riesige alles erschütternde Welle Emotionen, die mich umreißt. Einfach fortspült.

Dahin, wo ich eine Weile nicht mehr gewesen bin. An Abgründen vorbei, in die ich früher zu lange hineinstarren musste. Nicht merken, wie das Gesicht nass wird. Innerlich bluten, alte Wunden die niemals völlig abheilen können…weil sie immerimmerimmer wieder aufgerissen werden. So wie heute:

Du bist noch nie ungefragt angefasst, bedrängt, begrapscht worden ? Du hast dir noch nie anzügliche Sprüche und Kommentare über dein Äußeres anhören müssen, völlig egal wo du dich aufgehalten hast oder was du anhattest  ? Weil du dir ohnehin keine Gedanken machen musst, wann du wohin gehst und was du dafür anziehst ? Grenzen ziehen und dann angestrengt für ihre Einhaltung sorgen müssen ist eigentlich kein Thema für dich? Deine Kompetenzen, dein Gespür, dein gesamtes Sein ist noch nie in Frage gestellt worden einfach weil du bist was du bist? Deine Stimme zählt immer, wenn du sie erhebst ? Du kennst die Angst nicht, die sich wie ein alles erstickendes Tuch um deinen Brustkorb wickelt weil du dich gleich in eine Situation begibst in der du möglicherweise nicht mehr sicher bist ?

Überhaupt die Angst….die nicht mehr nur sinnvolle Warnung zur Obacht ist, sondern etwas was dich nur noch lähmtlähmtlähmt. Dich schlicht am Leben hindert. Deiner Welt das Licht nimmt und das Atmen erschwert. Dich glauben macht, dass es nichts Schönes mehr für dich geben wird.

Du hast keine Ahnung, wie es sich anfühlt, wenn schon eine alltägliche Situation – z.B. du allein mit 3 beliebigen dir unbekannten Männern* in der U-Bahn, die in deine Richtung sehen – reicht um dir für eine Woche flashbacks zu bescheren ?

Du weißt nichts von dem andauernden Kampf nicht unterzugehen in all den schlechten Erfahrungen…ein Ringen, das manchmal jegliche Energie absorbiert. Die du doch dringend für alles Andere bräuchtest.

Du vermagst dir nicht vorzustellen, wie mühsam steinig und lang der Weg zurück in deinen Körper sein kann, wenn sich jemand Anderes deines Körpers einst ‚bemächtigt‘ hat ?

Dann hattest du entweder bisher großes Glück und das freut mich ehrlich für dich…vor allem wünsche ich mir für dich, dass das auch so bleibt.

Oder du bist wahrscheinlich ein Mann*.

Das wir uns gleich richtig verstehen: Nicht jeder Mann* ist für mich ein (potentieller) Täter…ich hasse keine Menschen und einige meiner besten Freunde sind Männer.

Grenzüberschreitungen sind nicht nur eine Frage des Geschlechts (was ja implizieren würde, dass Frauen*niemals übergriffig sein können) sondern auch des Machtgefälles. Wer Macht hat, missbraucht sie bisweilen…und hat gute Chancen NICHT dafür belangt zu werden. Das gilt für ALLE Machtgefälle.

Privilegiert ist, wer sich aussuchen kann ob eine Auseinandersetzung mit Diesem oder Jenem gewollt ist. Betroffen ist, wer Dieses oder Jenes unfreiwillig am eigenen Leib erfahren muss.

Dass das nämlich auch ein für allemal klar ist: Ich bin kein Opfer !!! Ich bin Betroffene von sexualisierter Gewalt. Eine von Vielen. Unter uns gibt es auch Männer*.

Dazu kommen noch : alltägliche Grenzüberschreitungen, die alten Verletzungen neue hinzufügen. Der ‚ganz normale‘ Zustand of (street) harassment.

Aber: Ich habe all das Grauen nicht nur überlebt, ich lebe !

LEBE LEBE LEBE !

Mit jedem Tag, den ich lebe und liebe und lache wird kleiner und unbedeutender, was mir passiert ist. Nimmt weniger Raum ein, ich dafür umso mehr. Ich mache mich frei von Händen und Worten…all das kann mir nichts mehr tun.

FREIHEIT !

Ich bin so frei und mache mich breit. Kein Platz mehr für das, was bis eben noch als ’normal‘ galt.

Ich kämpfe…und gewinne.

ICH HABE KEINE ANGST MEHR !!! Selbst, wenn meine Hände zittern und mein Herz rast…ich bin hier sicher.

ICH BIN NICHT ALLEIN !!!

Wir sind viele. Die betroffen sind und JETZT das Schweigen brechen !!!

Wir schreien auf, wir schreien es raus:

‚we’ve heard it all so many times before
stop treating women like some trashy cheap whore
or a virgin that must lead to a sterile life
a surrogate mother under the disguise of the word wife
they make the rules but yet they don’t play fair
forcing sexual stereotypes that make us all aware
of every single one of our failures in the eyes of society
telling me that I’m not quite what I’m supposed to be
I’m not married with two children or single with a career
I’m not drowning in some mortagage or living in financial fear
I don’t cower as I walk home all alone throughout the streets
I refuse to be treated like a piece of trumped up meat
I turn away from the billboards that extol the latest fad
Of looking like a junkie in the Calvin Klein ad
Now its time to get beyond all of our rage and pointing fingers
To see through the lies no matter how much it lingers ‚.

Wenn du dich jetzt angegriffen fühlst…dann vielleicht nicht ohne Grund. Wenn du dich schämst, heb‘ den Kopf und triff meinen Blick auf Augenhöhe :

‚Because this is not about man vs. woman or woman vs. man
but human to human as we struggle to understand
were living life suspiciously believing there’s no one we can trust
theyre dividing the population the system is destroying us
profiting from this division and the line of thinking that’s been bought
if equality is ever to exist we have to unlearn what weve been taught
bigotry by ignorance unintended prejudice‘.

Wir alle zusammen !!!

Gegen den ‚ Normalzustand ‚.

Edit: Eine Linksammlung zum Thema !

Shitlist

Uaaaaaaaaaaarrrrrrrrrrrrrrrrrgghh !!!

Hände, die zittern beim auf die Tastatur einhauen:

W.U.T. !!!

Gleißend rote in drei hochhausgroßen Neonleuchtbustaben an Wände geschrie(b)ene. Riesige Wälle aus Abwehrmechanismen, Ignoranz und gehtmichdochnichtsan. Errichet um aus allen Nähten platzende Egos. Empathie Fehlanzeige.

Die letzte Woche ist mir on-und offline soviel Kackscheiße untergekommen, dass ich sie in Tüten packen+zentnerweise an ihre Absender*innen zurückschicken könnte…eigentlich will ich sie noch viel lieber persönlich Leuten um die Ohren pfeffern, aber mein superriotgRRRlmum cape ist gerade in der Reinigung. Übersät mit Kleinkindschmoddergoodies des ersten überstandenen grippalen Infekts (+4!!! Backenzähnen in a row ). Ein Fest für Mutter und Kind.

Es ist wahrlich viel passiert+noch mehr darüber geredet bzw.geschrieben worden. Weil ich selbst nicht mehr viel Neues beizutragen habe, lediglich die linx zu Themen, die mich bewegt haben. Mit meinen kleinen Portionen Senf dazu :

Zur Debatte um Rassismus in Kinderbüchern sind bei der Mädchenmannschaft viele wichtige  Beiträge (edit 21.1.: Gerade erst entdeckt : Noah Sows Stimme zum Ganzen) zu finden, Bereicherndes dazu auch bei AufZehenspitzen. In der ganzen Diskussion ist u.a. viel von ‚Zensur‘ die Rede gewesen, darauf eine sehr lesenswerte und weiterbildende Replik von Accalmie.

Was mir neben allem schon Gesagten aufstößt ist die erkenntnisresistente Vehemenz mit der von Einigen weiterhin auf das N*Wort bestanden wird. Welche Gründe dafür auch angeführt werden mögen : Es haben doch nun wirklich genug Menschen immer und immer wieder erklärt was hierbei die tatsächliche Crux ist.

Sich trotzdem weiter geifernd zu empören als ginge der Welt das Licht verloren, wenn das N*Wort nach und nach (aus Kinderbüchern) verschwände…aaargh ! Ein anderer Aspekt ist der…während ich die Wahl+Zeit+den Raum hatte über alles nachzudenken und eine Haltung zum Thema zu entwickeln sind rassistische (Alltags-)Erfahrungen unfreiwilliger Teil Lebensrealität mancher Menschen um mich herum. Ich stehe hier auf der Seite der Privilegierten, denn meine stetige Meinungsbildung ist ein Luxus, den sich viele nicht leisten können.  Weil es schon längst verletzt hat im Moment wo es ausgesprochen, aufgeschrieben, weitergetragen wird. Das Mindeste ist doch dann meine Solidarität zu zeigen, in welcher Form auch immer. Ich weiß, dass ich dabei selbst noch viel zu lernen habe. Dann gilt bisweilen schlicht ‚Fresse halten‘ statt noch mehr derailing shit in die Welt zu pflanzen.

Der Preis für sexistisches Vollidiotentum ging diese Woche (mit der Nase weit vorn) an Mr.Christian Ulmen und seine Television gewordene Bratzenidee ‚Who wants to f*ck my girlfriend‚…der shitstorm der daraufhin folgte hat offensichtlich ernsthafte Schäden bei der dahinterstehenden Produktionsfirma hinterlassen…anders kann ich mir nicht erklären, wie selbige glauben konnte Aktivist*innen like Mädchenmannschaft oder Ninia La Grande VOR die Kamera zu bekommen um diesen Schrott, verkleidet als antisexistische Konterkarierung, auch noch zu pushen.

Ebenfalls heftiger Tobak ist das Urteil gegen den 36-jährigen Antifa-Aktivisten Tim H., der 2011 in Dresden mit Anderen gegen den jährlich im Februar stattfindenden Nazi-Aufmarsch protestiert hatte. Er ist letzten Mittwoch zu einem Jahr und 10 Monaten ohne Bewährung verurteilt worden…konkrete Beweise fehlten. Der Verdacht liegt nahe, dass hier gezeigt werden soll was Aktivist*innen im Fall der Fälle blühen kann.

Ein anderer Schock war die (TW sexualisierte Gewalt gegen Kinder) Meldung ein ehemaliges Mitglied der Punkband Vorkriegsjugend betreffend…nicht das es eine Erinnerung gebraucht hätte, dass auch Punk/HC subculture nur ein häßlicher Spiegel der Gesellschaft ist und nicht das paradisische Paralleluniversum frei von -ismen+erhaben über alle Kritik, das manche darin erkennen wollen.

Mit dem unsäglichen Artikel ‚Krieg unter Frauen‘ (sic!) in der aktuellen Ausgabe der EMMA setzt sich Khaos.Kind in diesem post auseinander…danke dafür !

Unfassbar auch die Weigerung zweier katholischer Krankenhäuser in Köln eine junge Frau zu behandeln, die Opfer einer V*rg*w*lt*g*ng geworden war. Als Begründung wurde der ethische Konflikt angegeben, der aus dem Verschreiben der ‚Pille danach‘ resultieren würde.

Als hätte all das nicht schon vollkommen gereicht hat mich vergangenen Freitag das erste Mal eine Suchanfrage auf dieses blog wirklich aus der Bahn geworfen. Ein explizites Ekel-Teil von Satz, der sich jetzt in meine Hirnwindungen eingebrannt hat+an pädophiler Eindeutigkeit nicht misszuverstehen war. Einmal von a bis z getriggert. Mir ist immernoch schlecht.

Ich war darauf nicht vorbereitet. Das hat eingeschlagen wie Hammer auf Pudding.

Mit Trollen tanze ich Pogo, dumme Kommentare zielen hier ins Leere, genereller Sexistensprech ist nichts Neues.

DAS allerdings hat mich woanders erwischt. Bei sexualisierter Gewalt+Verbindung zum Kind ist nur fragiles Gaze zwischen mir und der Welt…nachdem ich mein soziales Netzwerk offline aktiviert hatte (und einen Moment warten musste bis ich alle erreicht hatte) bin ich gleichzeitig damit bei Twitter rausgegangen ( ein ❤ für Hannah+cloudette ! ). Keine gute Idee. Trotz aller Verbundenheit, die ich dort fühle…ich habe mich viel zu verletzlich gemacht. Passiert mir nicht nochmal.

Ein großes Durchatmen mir und euch !!!

Die nächste shitlist wird noch früh genug geschrieben werden müssen.

This Is Not A Love Song

Mein emotionaler Rahmen ist gesprengt worden die letzten Tage. Einmal quer durchschossen. Mal wieder bleibe ich an Persönlichem kleben anstatt mich dem Außen zu widmen.

I don’t like it at all.

Wichtige Erkenntnisse bahnten sich schon länger mähdrescherlike ihren Weg. Gleichzeitig ist mir mein Jetzt umständehalber nochmal um die Ohren geflogen. Pünktlich zum Jahresende. Passt.

2012 fing an mit einem Knall und endete also auch mit einem…nur als Randnotiz: Was da draußen auf Berlins Straßen abging dieses Jahr , Leute SERIOUSLY? Ein einziges nervös übertriebenes Geballere.  Sollte der nicht erfolgte Weltuntergang gefeiert oder nachgeholt werden ?!?

Am vorletzten Tag des verblichenen Jahres habe ich jemanden wiedergetroffen, der mir mal ganz nah war. Immernoch wichtig ist. Ein Brennen auf riesiger Flamme. Das ist nicht romantisch, das ist gefährlich. Vor allem, wenn es nicht auf Augenhöhe stattfindet. Wir wohnen in verschiedenen Ländern. Während dieser Mensch mit dem Rad Spanien durchfahren und in Frankreich Häuser mitbesetzt hat, habe ich mein altes Leben mit meinem neuen verbunden und bin wieder bei mir gelandet. Gut vorbereitet bin ich in diese Begegnung hineingegangen. Auf alles gefasst mir nicht von der Seite gewichen. Trotzdem war es streckenweise fast unerträglich intensiv. Die Verbindung steht, das Gefühl ist groß.

So weit, so üblich.

ABER. ICH WILL DAS ALLES SO NICHT !

Ich finde es nicht (mehr) gut, dieses Abgelenkt-Werden von mir selbst. Ich habe genug Sachen, um die ich mich kümmern muss oder will. Meine drumsticks setzen schon Schimmel an, das  blog (obwohl gut besucht und viel supportet – ein riesiges DANKETHANXDZIEKUJETACK dafür an alle, die daran beteiligt sind : ❤ ❤ ❤ !!! Ihr seid großartig !!! Netzsolidarität ole ole ) weint nachts leise auf die Tastatur vor Hunger. Niemand füttert es mit neuen posts und die schon begonnenen gammeln bei Zeile 6 vor sich hin. Ein Problem mit dem ich anscheinend nicht alleine bin.

Deswegen lautet mein einziger Vorsatz für das neue Jahr : Kind, Musik und schreiben bis die Finger bluten.

Verspätet nachgereicht Euch allen ein fulminantes erkenntnisreiches weiterbringendes lustiges spannendes Superjahr 2013 !!!

P.S. : just speaking of MUSIC : Wir suchen ab Juni eine talentlose humorvolle RiotgRRRlbassistin* aus dem Raum Berlin/Umgebung, die Lust auf Krach machen mit uns hat !!! Wir haben keinerlei Ambitionen, aber immer ein loses Mundwerk. Wenn dir das gefällt, melde dich !!! We can’t wait loszulegen !!! P.P.S. : Liebe Unsichtbar, ein Umzug nach Berlin wär‘ keine Option, oder 😉 ???