Get Up and Go

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Ich bin aufgestanden und losgegangen…und endlich bei mir angekommen.

Das Verlassen von Personen und Orten, fort von ungut, nur noch ein in Erinnerung konservierter Schatten an selbstgebauten Mauern. Welche ihre Funktion erfüllt haben und hiermit wieder abgerissen werden. Stein für Stein und dahinter ich…verletzt, aber lebendig.

Ich habe gekämpft bis es nichts mehr gab, wofür ich noch kämpfen wollte. Vorher aufgeben war nicht vorgesehen und dann nur noch rausrausraus.

Es fühlte sich manchmal an wie ein wirklich schlechter Scherz auf meinen Kosten. Nicht lustig.

Trauern war wichtig und zu betrauern gab es genug. Für’s Erste gerade mal genug Kraft haben um mich langsam hinsetzen zu können. Luft holen. Tief ein- und ausatmen. Den Anderen zuschauen, wie sie größer werden und in die Welt hinausziehen. Während ich selbst von der Verzweiflung festgenagelt auf Trümmer starre, die mal (m)ein Leben waren. Kunst, doch durchaus. Lebenskunst. Ich habe endgültig meine Idee von einer bestimmten Art Familie zu Grabe getragen und dafür musste ich nochmal tief hinabsteigen…all das verkrustete oft nur schlecht vernarbte Gewebe erneut aufreißen, dass sich dort über Jahre gebildet hat. Aber auch das Trauern will gelernt sein, und zuviel davon lässt dich leben verlernen. Ehe du dich versiehst, wird sogar das Aufstehen unerträglich schwer, das Hinausgehen findet nicht mehr statt…und du bist nur noch, was du unter die Glasglocke retten konntest, die du allem übergestülpt hast.

Familie also…was das sein soll für eine*m, der in der Familie und in Beziehungen zu Lieblingsmenschen die größten Wunden zugefügt worden sind. Manche schon so früh, dass sie sich angefühlt haben als wäre ich damit geboren worden, sie wohl immer dagewesen. Ein Teufelskreis aus dem es kein Entkommen gibt. Nicht? Nein, nein und nein. Doch. Denn ich will das nicht. Familie ist ab heute, was ich daraus mache. Vorgaben am Arsch. Nur noch ein letztes Mal dahin wo es so sehr gebrannt hat, dass Löschen kaum möglich gewesen wäre wenn nicht meine große Flut SoNieWieder gekommen und einfach alles weggespült hätte…und dann Adieu sagen. Mir vergeben, aber nichts vergessen.

Kein Innehalten mehr und weinen und leiden. Sich selbst aus den Scherben wieder zusammengefügt…gebrochen, aber nicht zerstört.

Ich sage nur noch Tschüß zu meiner veralteten Vorstellung einer heilen kleinen Familie.

NICHT_FÜR_MICH.

Dass es zwischendurch so wehtun würde, dass ich keine Worte in keiner Sprache dafür gefunden habe…KRASS. Wenn ich sprachlos bin, geht meiner Welt der Ausdruck verloren.

Ich bekomme es so nicht, das Gesamtmenü. Aber höchstwahrscheinlich hätte es mir sowieso nicht geschmeckt, auf diese Art zusammengestellt. Ich koche wohl lieber was Neues und lade dann alle dazu ein, die ich liebhabe ! Wir werden reden und lachen und unsere Lebendigkeit schmecken. Kosten, was wir sind und das genießen, was wir aneinander haben…im Hintergrund läuft Musik, auf der wir uns leise schaukelnd ausruhen.

Ich bin aufgestanden, ich habe mir die Augen freigewischt und bin erst langsam, dann mit immer mehr Kraft gelaufen.

Von da an erkennend.

Nachdem der Sturm abgeflaut war, blieb es einzusammeln, was noch brauchbar war…und das ist unerwarteterweise viel…zwischendurch wage ich immer wieder Tänze mit dem Schmerz, Einsamkeit und Ent-Täuschung sind harte Kaliber…das ist ok, ich kann das auch…hart sein, wenn es sein muss. Die Augen aufgerissen und durch, die Zähne zusammengebissen und weiter. Nicht das ich die Wahl habe, schließlich bin ich nicht allein und da ist immer auch das Kind, das staunend und neugierig die Welt kennenlernen will. Mehr braucht als mich im standby modus.

Feiern will ich hier deswegen die Weichheit…das gute Leben und die Liebe…die maßlose, die bedingungslose, die zeitlose, die nicht fragt ob sie eintreten darf, weil sie einfach immer da ist, in mir, in uns, in dir. Du spürst sie nicht? Dann ist sie wahrscheinlich nur zugeschüttet…begraben unter all der Scheiße, die gesellschaftskonformes Leben genannt wird und nur eine Schablone ist in die du mit all deinen Facetten und Formen und Farben einfach nicht reinpasst. Passen kannst…und wer will das schon, Leben in Schablonen. Menschen wie Abziehbilder.

Ich baue dem Mut einen Altar und huldige dort allen, die es weiter versuchen…auch wenn sie die Hosen voll haben, ihnen vor Angst die Knie schlottern, ihre zerfetzten Herzen in die Luft halten und trotzdem springen…ins Ungewisse. Wieder und wieder etwas wagen als hätten sie nichts zu verlieren und das Leben ihnen niemals Böses getan.

Ich verneige mich vor denen, die es geschafft haben sich aus all dem überstandenem Leid eine sichere Startrampe zu neuen Abenteuern zu bauen. Keine Festung mit meterdicken Wänden, vor der alle stoppen müssen die wagen ihnen näher zu kommen. Ein lautes Lied auf alle die nicht zu zerfleischen versuchen, was ihnen an Zuneigung geschenkt wird, sondern es hochleben lassen…die sich schlicht nicht von alten Qualen den Blick auf sich selbst und dann auch ihre Lieben verstellen lassen. Stattdessen ihre Narben tragen wie Schmuckstücke, die in der Sonne blitzen.

Mein laut klopfendes ❤ für euch alle !!!

 

Heute hat das Kind zum ersten Mal Schritte auf seinen eigenen Beinchen gewagt, ohne meine haltenden Hände und ohne alles andere…mit jedem kleinen Schritt sicherer werdend…hat sich dann mit einem schmerzhaften Plumps auf seinen Hosenboden gesetzt…geweint…gelacht…und ist wieder aufgestanden. Und weiter gegangen.