Podaj mi rękę swą

Bestellt hatte ich das so nicht. Bin eher zufällig darüber gestolpert. Wahrscheinlicher hat 1 mir heimlich ein Bein gestellt. In einer meiner Lieblingstheorien spielen zudem Löcher im Raum-Zeit-Kontinuum eine Hauptrolle. Regenbögen gab es und sicher wären noch Einhörner vorbeigezogen, wenn ich nicht fluchtartig das Areal verlassen hätte.

Nicht, dass mir das etwas genutzt hätte.

Was war passiert ?!?

Eben noch manövrierte ich mit sacht schlagendem Herzmuskel durchs Leben, der mal hier friend crushte und da beim Anblick silbrig glitzernder Menschen beim Tanzen aussetzte, aber stets schmuck im Rahmen blieb. Zum Aufhängen an die Wand. Doch dann ging der Rahmen kaputt, alles lief aus dem Ruder und mir über die nackten Füße…und plötzlich stampfte mein Herz in Kalashnikov beats, furchtbar eckigen,  die mir meine Brust unter dem Binder zu sprengen drohten.

Da stand ich nun. Verdattert und ratlos. Mit allerlei frischem sperrigem Gefühlsgut. Wühlte in meinen Hosentaschen nach Worten und fand mich nicht wieder.

Ich hätte gern Dinge gefragt wie „Gibt es das auch als Pizza ?“ oder “ Wo bitte kann ich das umtauschen ?“.

Leider gibt es keine Crushrückannahmestelle : “ Jaa, hier…. also das passt mir gerade nicht so gut…ich muss morgen früh aufstehen, die Revolution wartet auch nicht und ich habe gerade diesen catchy Antiliebungssong mit meiner Band geschrieben, wie sieht denn das aus ?“

Mir war klar, dass DAS Menschi, wegen dem rundum gut ausgestattete Gefühle die Gegend um das Herz besetzten, auch nur mit Wasser kochte. Das war aber gar nicht das Thema. Es wurde so weich in mir und alles füllte sich mit Zart in dessen Nähe.

Ich versuchte es trotzdem erstmal mit Ringen. Mit mir um genau zu sein. Ich äugte misstrauisch auf die Herzbesetzungsfühls, sie äugten frech zurück, nahmen sich die guten Kekse aus dem Geheimfach und verschütteten Bier auf der Couch. Ich verweigerte empört ihre Annahme, sie drehten erst recht auf. Stürzten mich ins Chaos.

Dass etwas mit mir passiert war und das nicht so eben vorbeigehen würde, merkte ich als ich versonnen den Bildschirm meines Mobilfunkgerätes streichelte auf dem die ersten Nachrichten des Menschis blinkten.

Na gut.

Ich freundete mich nicht gleich mit diesen Starkstromgefühlen an, aber ich duldete sie. Es gab viele Kämpfe zu absolvieren auf dem Weg dahin, sie hatten etwas mit „Wie-rede-ich-nicht-in-jedem-zweiten-Satz-über-das-Menschi-und-vergraule-all-my-friends“ zu tun und auch mit „Wie-oft-kann-ich-ramontische-Songs-von-againstme-hören-ohne-das-die-Ohren-bluten“…ich meisterte das mit Abzug in den B-Noten.

Womit ich nicht gerechnet hatte:  die Gefühle, die bis jetzt in der Herzgegend randaliert hatten, waren nur die Vorhut.

Was dann kam, war das Mordor der Gefühlspalette. Eifersucht, Neid, Unsicherheit bis zum Mond und zurück. Im Gegensatz zu Einigen halte ich aber nichts davon diese Gefühle wegzudrücken und als überflüssig einzuordnen oder mich selbst noch dafür zu zerfleischen. Ich stellte lieber Stühle auf, verteilte die Chips gerecht auf alle Schüsseln und hörte mir an, was sie so zu sagen hatten. Ich habe viel dazugelernt.

Ex-Teenage-Me hatte zahlreiche Gastauftritte…es erinnerte mich daran wie 1 Mixtapes bastelt, sich fest um ein Kissen wickelt und träumt, ein Einladung-zum-auf-Dächer-klettern-und-auf-Bürgersteigen-die-Nasen-in-die-untergehende-Sonne-halten-Zine erblickte das Neonlicht meiner Schreibtischlampe. Eine schöne Zeit. Ich war zufrieden mit mir und der Welt. Denn Letztere summt in einem ganz eigenen Ton, wenn du verliebt bist und nachdem mich das siebte Menschi angelächelt hatte auf dem Weg zum Tagesgeschehen dachte ich auch nicht mehr, dass sie Personen meinen, die hinter mir spazieren gehen.

Die Nächte waren hart. Immer. Tagsüber leise pochendes Sehnsuchtsschnurren verwandelte sich nach Sonnenuntergang in tosendes Riesengestürme. Dass durch den Bauchraum splatterte. Tagsüber nur ein schwacher Fetzen lag es im Dunkeln wie Beton auf mir und drückte mich tief in die Laken. Das Stöhnen aus Sommerabendfenstern die neben meinem stayhomeclub wohnten machten es nicht einfacher.

Selbstverständlich habe ich darüber nachgedacht, DEM Menschi mein Herz zur Ansicht freizugeben :   “ Das ist also mein Herz, es klopft sehr hübsch, magst du hören?  Hier wohnt die Liebe zu meiner Wahlfamilie, meinem Bett, netflix und meinen polnischen New Wave Platten…und DA wohnen die Gefühle für dich…ja, ich finde auch, dass das ganz schön viel Platz ist…willst du es mal kurz halten ?!? Ich habe Ketchup dabei. “

Ach nein.

Meine ständigen Begleiterinnen, anxiety und introweirdness, taten den Rest.

Das Schöne in der Verliebung ohne Erwiderung ist außerdem, dass du die eine gute funktionierende Beziehung führen kannst. Mit dir selbst und deinen Gefühlen und all denen, die sich immernoch tapfer deine Schwärmereien anhören und dich fest drücken und dir erzählen, das alles gut wird.

Du kannst durch die Wohnung hüpfen und dir dabei vorstellen, dass ihr am liebsten zur selben Musik tanzt. Eure Gespräche sprühen wie vegane Schlagsahne und wenn ihr euch schüchtern zufällig an den Händen berührt, kannst du Nervenbahnen in Aktion erleben.

Wann immer ich das DAS Menschi in ECHT traf, war ich eine wandelne Schockstarre. Wo vorher Sprachvermögen und eine reichhaltige Themenauswahl zur Verfügung standen, durchzogen mein Hirn nun rieselnde Sandstürme. DAS Menschi mochte mich trotzdem. Vielleicht gab es durchaus Momente in denen wir redeten. Wenn ich die Kalashnikov beats leiser drehen konnte zum Beispiel.  Je mehr ich über DAS Menschi erfuhr, desto toller fand ich es. Als wir uns zum ersten Mal zum Abschied drückten, wäre ich danach fast vor ein Auto gelaufen.

Neulich sah ich das Menschi auf einer Party mit jemand Anderen. In Eindeutigkeit verschlungen. In der schönen neuen Polywelt sollte ich ja darüber stehen, deswegen wohne ich auch woanders. Ich lief nachhause, rollte mich unter meiner Kuscheldecke zu einem Kringel zusammen und wälze mich seitdem in Cure Liedern.

Irgendwann werde ich auch wieder herauskommen.

Versprochen.

 

Bis dahin: besucht mich ruhig mal…und bringt doch bitte Kekse mit❤.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oh what a feeling

Teil 1

Der Kopf vollgestellt mit Bildern. Weniger schicke Galerie als staubige Kellerparzelle. Die Luft dort muffig und mein Drang das einzige Fenster aufzureißen so groß wie der stolpernd rückwärts zu fliehen…

Ich kann kaum auf meine Eltern blicken. Weil sie als wir verblasst sind und weil sie immer gestritten haben als mein Vater noch da war. Hinter verschlossenen Türen und mir versichernd alles würde gut werden. Dabei ran die Angst durch sämtliche Ritzen und fraß sie langsam auf. Woran lag es, dass nur ich das sehen konnte ?

Kurz bevor er für immer geht sitze ich mit ihm am Fenster, mein Kinderherz pocht hart in kleinen Schmerzen mit den Schritten meiner Mutter. Weg von uns, unterwegs zu irgendeiner politischen Versammlung. Bald wird die Mauer fallen und hier in der Wohnung fallen nur wir. Zurück bleibt Schmerz, der scheppernd alle Versuche übertönt uns zu retten. Schwer Verletzte in diesem Kampf in dem es mich nur als Verhandlungspfand gibt und in dem ich kein bisschen zu entscheiden habe. “ Nichts wird sich ändern. “ sagt mein Vater und LügeLügeLüge, denn alles ändert sich und die einzige Wahrheit, dass nichts so bleiben wird wie es ist.

Meine Mutter und ich sind allein. Sie arbeitet hart und ich weiß nichts davon. Ich merke nur wie müde sie Abends ist. Manchmal gereizt. Traurig auch. Ich strenge mich in der Schule besonders an obwohl ich auch traurig bin. Weil mein Vater weg ist. Manchmal kommt er mich nicht abholen obwohl er es versprochen hat. Ich bin dann gemein zu ihr, die alles tut um die Scherben wieder zu einem Kind zusammenzusetzen. Wenn ich bei meinem Vater und seiner neuenanderenjetzigen Familie bin, überhäuft er mich mit Geschenken und guter Laune. Er erzählt mir, dass meine Mum selbst schuld ist. Wenn ich zu meiner Mutter zurückkehre, bin ich noch gemeiner. Weil ich sie auch für schuldig halte, weil ich von ihr nie mit Geschenken überhäuft werde aber ihr beim Abwasch helfen oder mein Zimmer aufräumen muss.

Meine Mutter kämpft, auch mit ihrem Körper. Dagegen nicht dafür. Ich finde sie trotzdem schön und mich bald nicht mehr, weil ich lerne das nur zählt was Andere über mich denken.

Mein VaterderOnkeldieangeheirateteTantemeineStiefmuttermeineCousins haben alle eine Meinung zu meinem Körper. Er ist zufällig der einzige Körper, der jünger ist und weiblich gelesen wird. Für ihn gibt es einen streng abgezirkelten Kodex. Er wird bei jedem Familienfest begutachtet und die fein justierten Koordinaten in denen er existieren darf, auf die leisesten Abweichungen gescannt. Wo kämen wir auch hin, wenn er einfach ein heranwachsender Körper sein und sich frei entfalten dürfte. Ohne Reglementierung.

Wir sind arm und ich weiß nichts davon. Mir mangelt es an nichts und dass ich trotzdem meinen Hunger nicht stillen kann, liegt nicht an meiner Mutter. Ich verschlinge gierig alles, was nach Leben riecht und komme bald mit dem Verarbeiten nicht mehr hinterher. Ich fange an mein Essen zu erobern, zu kontrollieren, zu überwachen, zu vernichten. Wenn ich kotze, kotze ich auf alles und keiner hat mehr Macht über mich. Diese Kämpfe enden in Magensäure aufgelöst, die mir manchmal in die Lippen ätzt.

Mein Vater wird größer in seiner zunehmenden Abwesenheit, ich erinnere ihn in jedem Kommentar zu meinem Körper jeder einzelnen Person überall.

Meine Mutter wird kleiner weil ich anfange immer länger weg zu bleiben. Ich habe jetzt auch eine neue Familie, sie ist genauso dysfunktional wie die alte, aber sie ist selbstgewählt. Ich verbeiße mich in mein Zugehörigkeitsgefühl so fest wie ich kann und werde vom neuen wir mehr als einmal überwältigt. Wir sind Punks, wir sind die Guten, wir haben die Herzen voll und Köpfe aus Beton.

Meine Mutter glaubt an mich, verteidigt mich vor allen und ich weiß nichts davon. Ich sehe nur wie sie wütend an meinem Krankenhausbett steht und mich anschreit, weil ich hätte sterben können. Ich starre in einen Spiegel und wundere mich lange wie ich hier gelandet bin.

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Milchglas

Erinnerung eingewickelt in Geruch. Nach abgetragenem Leder, F6 Zigaretten und dem süßsauren Geruch von Alkohol unter Schichten wrigleys Kaugummi. Ich schiebe mir Streifen für Streifen in den Mund oder vielleicht berge ich sie auch. Es sind immernoch gezackte Linien darauf, ich fahre ihnen mit den Fingern nach als wäre dort ein Weg hinaus. Moment überzogen mit milchigem Film. Gegoren mindestens. Versuche ihn abzuwaschen. Auswaschen. Schrubben. Schrubschrubschrub. Mit Stahlwollengedanken. Ich will wieder clean sein. Pur. Rein. Mit dem Duft nach billiger Apfelseife und dem Buntwaschmittel für das ich Gutscheine habe.

So ist das mit uns die wir zu lange in den Abgrund gestarrt haben. Aber eigentlich habe ich nicht gestarrt. Schon gar nicht freiwillig. Da hat einer meinen Kopf gepackt, meine Haare erst wegen ihrer Weichheit gelobt und sie dann zu einem losen Knoten geformt. Diesen meinen Knotenkopf mit dem Körper dran zum Abgrund geschleift und mich gezwungen hineinzusehen. Mein Leben aufgehängt an Eisenhaken voll Angst und Blut und Scheiße und Schmerz. Tief eingerammt. In ichweißnichtwas. Fleisch. Körper. Nicht die Seele.

Manchmal kann ich mich nur wundern, dass nicht alle sehen können. Wie das Grauen durch meine Adern wummert, mir ein ewiges Fürchten die nackten Arme herunterrinnt, ich gurgelnd im Abfluss verschwinde.

Dann nur noch ein zartes Glimmen an mich erinnert.

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Ich starre von draußen auf die Glücklichen, die in Unkenntnis und Nichterfahrung waten. Beneide sie hart während ich durch ihre Augen auf ihre orange leuchtenden Leben schaue und ihnen jeden behüteten Bissen neide.

Ich niste mich ein, ich weiß nicht wo. Ich verpuppe mich, ich weiß nicht in was. Bevor ich mich wieder hinter Notlösungen verschramme zerschmettere ich lieber. Mit einem klirrenden Lachen alle rostigen Verbindungen.

Was übrigbleibt, ist.

The Kids Are ALL Right

Für L. ( und auch ein bisschen für mich…)

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Berlin, 20.09.2014 : Ich bin mit Freund_innen unterwegs zu Protesten gegen den sogenannten „Marsch für das Leben“.  Da sind auch all die Kids und Jugendlichen, die auf der Seite der „Lebensschützer_innen“ mitlaufen. Dreijährige, die Schilder hochhalten ala „Danke Mama, dass du mich nicht abgetrieben hast !“. Das Treffen der Abtreibungsgegner_innen ist als Schweigemarsch konzipiert, umso besser lässt es sich von unserer Seite brüllen, lachen und Musik machen. Aber ich sehe auch, wie Kinder im Marsch erschrocken gucken. Ängstlich. Das tut mir weh. Ich will das nicht. In unseren Reihen sind auch Menschen mit Kindern, aber gefühlt viel weniger. Weil ich vom Gewaltpotential der Abtreibungsgegner_innen weiß, aber auch von dem der sie schützenden Polizei, habe ich das Kind woanders gelassen.

Zuhause muss ich den dort erlebten Gefühlssturm erstmal in kleine verdaubare Happen zerlegen.

Ich überlege, wie ich dem Kind erklären würde, was wir dort gemacht haben.

Als Erstes ist da Wut. Viel Wut. Es ist die Selbstverständlichkeit mit der dort auf der anderen Seite Menschen laufen, die glauben, dass sie mir vorschreiben dürfen wie ich mit meinem Uterus zu verfahren habe…die gleiche Selbstverständlichkeit, mit der sie mir dann absprechen, dass das Kind und ich und alle die sich noch kümmern, auch eine Familie sind.

Ich möchte ihnen ihre Selbstverständlichkeiten vor die Füße mit den schicken Schuhen spucken.

Dieses ganze Gerede vom Schutz des Lebens.

Was für ein gequirlter Haufen Mist.

Das wäre zum Beispiel mein Recht, eigene Entscheidungen zu treffen. Mein Körper, meine Wahl ! Mitnichten.

In ihren Augen gehören Menschen mit Uterus offenbar der Allgemeinheit. Mein Körper als ihr erweiterter Besitz. Ich soll zwar darüber schweigen, wenn ich Blut und Schleim absondere oder es ja nicht wagen, mir selbst Genuss zu verschaffen. Sobald sich in mir aber Zellen teilen, die möglicherweise irgendwann ein Baby ergeben, geht es plötzlich alle an. Ist das päpstliche Brandzeichen auf meinem Uterus eigentlich auch beim Ultraschall sichtbar? Sollte das Kind dann jedoch anders als auf heterosexuelle Art entstanden sein, hat es schon wieder sein Recht auf Leben verwirkt. SO geht das nicht ! Abscheulich ! Da sind sich Leute wie Sybille Lewitscharoff und Co. einig. Sich derart gegen G’tt und die „natürliche Ordnung“ aufzulehnen, kann nur Sünde sein. Ich bin keine Christin*, aber wäre ich eine, würde ich eher davon ausgehen, dass G’tt alle Geschöpfe liebt und es ihr egal ist, wie sie enstanden sind.

Wo bleibt die Sorge um all die Inter*TransKids und queeren Heranwachsenden, die in repressiven Haushalten groß werden müssen ? Sicher auch nicht wenige in den Haushalten der sogenannten Lebensschützer_Innen. Die hohe Suizidrate von LGBTI*Kids dabei erschreckend wie wenig überraschend.

Habe ich all die Märsche und Demonstrationen der „besorgten Eltern“ verpasst, bei denen es darum ging annehmbare Lebensbedingungen für Flüchtlingskinder zu erkämpfen, welchen mitunter sogar das Recht auf notärztliche Hilfe versagt wird ?

Wieso stört es die „besorgten Eltern“ nicht, dass (sexualisierte) Gewalt in den eigenen Reihen so selten Thema ist ? Soll das mich wütend machende Gleichsetzen von queers mit Pädokriminellen etwa von solchen Tatsachen ablenken ? Als fände (sexualisierte) Gewalt gegen Kinder nicht ÜBERALL statt. Noch mehr dort wo Erwachsene denken, dass Kinder ihnen gehören und über sie zu verfügen sie jedes Recht haben. Wo bedingungsloser Glauben an eine Autorität verlangt wird und nicht angezweifelt oder hinterfragt werden darf.  Wo sich die Macht Erwachsener ungehindert ausbreiten kann und Umfeld, näheres und weiteres danach wieder von nichts etwas mitbekommen haben will…wer jedoch wegsieht und zulässt ist mindestens mitverantwortlich.

Wir müssen darüber reden, was Menschen, deren sexuelle Präferenz sich auf Kindern bezieht und die im besten Fall noch nicht pädokriminell gehandelt haben, mit uns zu tun haben. Wenn  75-80 % derer, die dann Täter_innen geworden sind aus dem näheren Umfeld eines Kindes kommen kann das auch bedeuten, dass du und ich nicht nur Betroffene kennen sondern auch (mögliche) Täter_innen. Dies als Möglichkeit überhaupt anzuerkennen fällt schon schwer. Das Feld der rechtspopulistischen Front zu überlassen, die beim großmauligen Fordern der Todesstrafe für Pädokriminelle ohnehin nur weiß-deutsche Kinder meint, schützt aber ganz sicher kein Kind vor Übergriffen. Alles auszusperren und weit von uns zu weisen, was eigene Handlungsweisen anrühren oder einen weiteren Bogen zu gesamtgesellschaftlichen Strukturen spannen könnte, halte ich sogar für gefährlich.

Ich will einen ehrlichen Austausch darüber, nicht zuletzt auch weil von (sexualisierter) Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche manchmal selbst zu Täter_innen werden können. Es muss Platz geschaffen werden für alle A bis Zs, die sich da auftürmen, wo junge Menschen Gewalt erfahren (haben).

Wo bleibt der Aufruhr darüber, dass nicht-weiße Kinder und Jugendliche permanent Rassismus ausgesetzt sind, nicht selten auch durch Erzieher_innen und Schulpersonal ?

Warum  rührt die „besorgten Eltern “ nicht, dass Kinder aus sogenannten prekären Verhältnissen gegen Flüchtlingskinder ausgespielt werden in dieser widerlich-zynischen „Kümmert euch doch erst mal um die Armut hier bevor ihr etwas für die tut“-Manier. Nur um an anderer Stelle genau denselben Kids die Chance auf Glücklichsein mit wenig Geld abzusprechen. Wie es eben gerade passt. Als ob Kids mit armen Eltern nicht auch eine tolle Kindheit haben können, als ob Gewalt oder nicht eine Frage des Kontostandes wäre. Oder der Bildung.

Nicht, dass ich nicht gut verstehe, wie blank die Nerven liegen können, wenn das Geld nicht für die Miete reicht oder das Essen rationiert werden muss. Wenn einer*die Existenzangst säurige Löcher in die Magenwand brennt.

Wo sind sie eigentlich die ganzen „besorgten Eltern“ und „Lebensschützer_innen“, wenn es darum geht Hebammen zu supporten, die doch neben den gebärenden Menschen selbst die wichtigsten Menschen bei einer Geburt sind ?!?

Diese „besorgten Eltern“ sorgen sich in Wahrheit um ihre Privilegien. Unter dem Deckmantel vermeintlicher Nächstenliebe und dem angeblichen Schutz jedes Lebens liegt auch nur altbekanntes patriarchales Besitzdenken, dass Frauen* und Kinder nicht sich selbst sondern dem „großen Vater“ gehören. Alle Kinder sind wohl gleich, aber manche eben gleicher…und wer es wagt an der heteronormativen Ordnung zu rütteln muss mit allen Mitteln bekämpft werden.

Dass viele christliche Fundis Teil der Neuen Rechten sind, die überall in Europa wächst, ist nur ein weiteres Indiz, worum es den „Lebensschützer_innen“ wirklich geht.

 

Ich schreibe auch als das Kind, der Teenager, der Ablehnung von einem seiner Elternteile erfahren hat…weil ich bin, was ich bin.

Diese Wunden können kaum verbunden werden, heilen nur schlecht: Sich nicht angenommen, missachtet und ungewollt zu fühlen von denen die uns zuerst am nächsten sind und uns ihre Akzeptanz und Liebe verweigern, uns wehtun…ein wahrlich schlechter Start ins Leben.

Trotzdem gibt es auch für uns dieses gute Leben. Mit Menschen, die uns achten, respektieren, lieben. Wie wir sind…

…und weil nicht DNA eine Familie macht sondern Liebe, sind wir auch eine.

Egal, was manche sagen mögen.

Zum Schluss noch ein paar Worte an die, die sich selbst als antidiskriminierend und emanzipatorisch verstehen und dann trotzdem Sachen sagen wie „Ich mag keine Kinder !“ oder sich in linken Räumen immer von Kindern gestört fühlen und nicht davon ausgehen, dass Politik machen auch mit Kids zusammen möglich sein muss:

Ihr seid Teil des Problems.

Habt ihr vergessen, dass ihr selbst mal Kinder wart ? Das Kindheit für die Meisten von uns die erste Erfahrung mit Ohnmacht darstellte, mit dem Gefühl von Unterlegenheit gegenüber den Erwachsenen….und wie passt das alles eigentlich mit eurem anti*istischen Anspruch zusammen ? So sehr ich auch die Angst und die Unsicherheit im Umgang mit kleinen Menschen verstehen kann, so sehr ich selbst die „heilige“ Gleichung MutterVaterKind in Frage stelle und der Volksgesundheit mehr als einen Schnupfen wünsche, kann ich so eine Haltung nur daneben finden. Weil Kinder nämlich auch Individuen sind, kleine Personen mit dem gleichen Recht auf Achtung und Respekt und Wahrung ihrer Würde. Ihr spielt den „besorgten Eltern“ und selbsternannten Lebensschützer_innen damit nur in die Hände…

 

Alles Gute zum Kindertag❤ !

 

Vielen Dank für die Formulierungshilfe an @theRosenblatts❤

Hinter dem Staub

Töne rollen unter meine Haut, weiches Ausbreiten in die wachende Dunkelheit. Ich lehne mich an scheu funkelnde Gedanken und reiche ihnen vorsichtig meine Hand. Es ist soviel Aufruhr und Liebe in ihnen, ich kann sie nur noch in die große weite Welt hinausschicken.

<a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/2.0/88x31.png" /></a><br />This work is licensed under a <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic License</a>.

“ Dust As Gold “ by André Fromont https://flic.kr/p/c5KxQ9

 

Was verbirgt sich in diesem zittrigen Leuchten in meiner Brust ? Wie gerne huldige ich der Zartheit in jedem Atemzug. Was mir einst entglitt, fließt moosgrün perlend in meine Adern zurück. Ich schmecke Erde und Schmerz und es ist ein Schreien und Blut und Tränen. Doch darauf wachsen Federn, bald schon ausgewachsene Schwingen und der Blick zurück ist nicht mehr meiner.

Wie gern hätte ich dir erzählt, was mir Spitzen in meinen wimmernd wummernden Herzmuskel trieb, aber wortgebaute Rettung gab es nicht. Ich musste tiefer tauchen und weiter schwimmen als je zuvor. Ich bin nicht, was mich zurückließ. Wo ich gewesen bin, hörte ich auf zu existieren. Fesseln aus eisenharter Unaussprechlichkeit hinterließen aufgeriebene Abdrücke auf meiner heißen Haut. Überall.

Hier treibt Sehnsucht Fell und schnurrt samten an mich heran. Schon tanzen wir zu Rae Spoons “ Ocean Blue “ und es kann nicht besser sein. Den letzten Schluck Musik trinke ich hastig und verschwinde verwundet durch die Hintertür…ich kann mich nicht nochmal riskieren.

Lieber umarme ich Traurigkeit, alt gewordene Freundin. Ich kenne sie gut und verstehe kaum die Angst der Anderen. Sie ist schön und gnadenlos und trägt den Abgrund wie ein Lachen auf ihren Lippen.

Wie hungrig ich geworden bin. Bevor ich dich zerfleischen kann, gehe ich. Immer voran. Immer jetzt. Würde ich morgen sterben, würde ich mich trotzdem nicht von deinem Hätte aufhalten lassen.

Ich habe dich endlich abgestreift.

Dahinter ist nur, was noch nicht war.

Follow you

Vielleicht.

War es Zeit. Dieses zur Unverbundenheit zerfledderte Beziehungsgeflecht mit ein paar Zweifeln mehr zu begießen und es verendet ganz.

Vielleicht.

Habe ich nochmal Verwendung für die mit gestärkten Bettlaken überworfenen Gefühle. Irgendwann.

Vielleicht.

Sind mir die Flammenwerfergedanken ausgegangen. Um alles anzuzünden.

Vielleicht.

Kann ich hinter deiner Freundlichkeit die Verachtung schimmern sehen.

Vielleicht.

Habe ich Graupeln im Mund und Dunst im Hirn, wann immer ich mit dir rede.

Vielleicht.

Treten sich die Alternativen gegenseitig auf die unverputzten Schuhe. Stolpern. Straucheln.

Vielleicht.

Will ich mich ins Unendliche ausdehnen und diese hochaufgeschütteten Wälle von Hattekennewarichschon zerschmettern.

Ganz bestimmt.

Bin ich angekommen.

Bei mir. Nirgendwo sonst.

Auch wenn dein nebliges Abzugslächeln noch über allem schwebt.

Folgen.

Werde ich nur mir.

The Sea (An Ode To The Thing That Separates Us)

An einem Ort gestrandet, wo sonst kein Mensch ist. Seltsam, wie gut das ist.

Auf diese eine Blaupause starren und nichts wiederfinden. Koordinaten verrutscht, eingezeichnete Linien begangener Wege verwischt, Verbindungen gekappt.

Ich habe mich verlaufen.

Das Neue schon sichtbar und das Alte noch lange Schatten werfend. In denen ich mich vorm allzu grellen Licht schütze. Mich verstecke. Vor Ansprüchen Anderer. Vor Forderungen, die  ich weder erfüllen kann noch will.

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Über allem weht Schmerz. Körper, Gedanken, Gefühle. Alles ohne Namen. Alles tut weh.

Was ist dieses “ Ich “ ? Identifizierung nicht möglich, Identifikation nötig.

Ich folge dem Schmerz in Erinnerungen, taste mich an uralten Narben entlang zum Sinn des Ganzen.

“ Gehe da nicht allein rein, es ist zu früh zu spät zu verworren…du wirst die Orientierung verlieren.“ ruft er mir warnend zu. “ Das ist längst passiert, aber wenn ich einmal  hier bin…“ lache ich. Weine ich. Oft Beides im dysfunktionalen Takt.

Ich bin hier und da nicht zum ersten Mal.

Ich verstehe es nicht, aber ich fühle mich irgendwann wieder gut…solange ich allein bin. Oder mit dem Kind. Alle anderen sozialen Kontakte, egal auf welche Art: vor allem schwierig. Zähle alles mit, jede noch so winzige Irritation, jede kleine Schieflage zwischen mir und den Anderen. Sammle Kränkungen an und füttere damit unwillentlich meine Unsicherheit.

Als gäbe es nichts Anderes. Was nicht stimmt. Nur die Unsicherheit: sososo gefräßig und alles verschlingend…ich bekomme Angst vorm Rausgehen. Ich bekomme Angst davor, Leute zu treffen. Vor allem die, die ich mag.

ANGST.

So große, dass ich zum ersten Mal seit ewig darüber nachdenke, Hilfe von Fremden anzunehmen. Sogenannte professionelle, obwohl ich das als nicht zutreffend empfinde. Der einzige Profi in Sachen ich bin ich. Wenn ich nur wüsste, wer oder was das ist.

Überhaupt: Hilfe annehmen. Oarrr. Das fällt mir so schwer. Vielleicht auch, weil ich so verdammt oft dieses Jahr KEINE Wahl hatte…wie auch schon das Jahr davor. Vielleicht auch, weil ich mir letzlich immer aus allem selbst herausgeholfen habe. Vielleicht auch, weil ich es gewohnt bin, in Krisenzeiten immernoch überragend zu funktionieren…um die Abwesenheit von Krisen dann als eigentümlich zu empfinden.

Sich stellen oder weglaufen. Nicht genug Zeit haben, sich das zu fragen. Weil ich mich noch um mehr als nur mich selbst kümmern muss.

Nur dass sich das mit dem Kind nicht nach Müssen anfühlt. Woran liegt es nur, dass an dieser Stelle immer alles gut ist. Auch wenn es kracht und scheppert. In mir und um uns herum.

Weich und warm. Flauschhöhliges Geborgen.

Es ist schön hier und alles ist klar. Ich liebe. Oh, dieses Kind. Die Art, wie es in die Welt sieht, in sie hineingeht und mit zu uns nach Hause bringt. Sich und mir erklärt. Mit dem Kind gibt es kaum Platz für Furcht. Ich bin DA, ich bin schon groß und das Kind nicht mehr so klein, glucksend hole ich Zuneigung aus allen Ritzen hervor und gebe sie dem Kind. Während ich mich trotzdem wundere, dass sie offenbar niemals versiegt. Wie wir zusammen Sinn machen und wenn es nur ist, “ damit die Wohnung nicht alleine ist, Mama.“ In der Welt des Kindes ist der Bus zum Kinderladen zu spät, weil er schließlich auch mal schlafen muss. Der Bauch hatte eben noch Hunger auf Schokolade, da kann ICH nichts machen, isso . Nein, ich hab’jetzt keine Zeit…das neue Lieblingskuscheltier, eine rosa Schweineflauschigkeit, weint und blutet ein bisschen, siehst du das nicht…ich muss es trösten, warte mal, ohhkeyyyy ? Zum Dritten Geburtstag wird GANZ Kreuzberg eingeladen, das schließt auch den einen Rauschebaum mit ein und die großen Krähenvogel, die sich immer auf die Autos setzen ( Wohnen die da, Mama ?). Der unsympathische Kinderarzt wird mit einem “ Hej, du musst fragen, das ist MEIN Fuß“ auf unbedenkliche Größe gestutzt und überhaupt…wie es dafür seinen, aber auch meinen Freund*innen über alle Wege traut. Ich kann nur staunen und lernen. Kaum glauben, dass das auch was mit mir zu tun haben muss.

Ja, so ging das wohl.

Manchmal schaffe ich es jetzt wieder mein Selbst-Bewusstsein mitzunehmen. Über die Türschwelle und raus in das da Draußen. Lange Zeit endete unser gemeinsamer Weg dort.

Offenbar habe ich jetzt eine Panzerhaut und als ich sie näher betrachte, sehe ich, dass ich sie gemacht habe. Wenn ich mich nur erinnern könnte.

Immerhin: sie schützt mich. Nach dem langen Rückzug fange ich wieder an, mich zu ver_wehren.

Meine alte Freundin Abgrenzung. Vielleicht noch mehr da, wo Menschen, Situationen, Zustände mir nicht guttun. Manchmal einfach gehen und nicht umgucken. Sich selbst an erste Stelle setzen, auch wenn es sich komisch ungewohnt anfühlt.

Wie ich bisweilen Menschen bewundere, die gezielt durch ihre Leben (zu) spazieren (scheinen). Mein innerer Kompass ist außer Funktion und das kümmert mich nur immer im Verhältnis zu Anderen. Da dann gewaltig. Weil es für alles ein Haltbarkeitsdatum zu geben scheint, auch für die Suche nach deinem Platz in der Welt.

Ich hatte jedenfalls das ganze Jahr solchen Hunger nach Meer. Dabei hatte ich es die ganze Zeit in mir.